Germanwings-Unglück: Rätsel um allein gelassenen Piloten im Cockpit

Ein Pilot soll laut Medien das Cockpit verlassen haben und versuchte vergeblich, wieder hineinzukommen. Auf dem Stimmrekorder seien Schläge an die Tür zu hören.
Rettungskräfte sind an die Absturzstelle in den französischen Alpen gelangt. ©Guillaume Horcajuelo/EPA

Kurz vor dem Absturz der Germanwings-Maschine mit 150 Toten haben sich offenbar dramatische Szenen in dem Flugzeug abgespielt. Nach Informationen der New York Times und der französischen Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Ermittlerkreise saß zum Zeitpunkt des Crashs in den französischen Alpen nur ein Pilot im Cockpit. Demnach verließ ein Pilot nach dem Start der Maschine das Cockpit und gelangte später nicht wieder hinein. Die Ermittler beriefen sich auf die ausgewerteten Daten des gefundenen Stimmrekorders.

"Der Mann draußen hat leicht an die Tür geklopft und es gab keine Antwort", zitiert die Zeitung einen nicht näher genannten Ermittler. Auch nach stärkerem Schlagen gegen die Tür habe es keine Antwort gegeben. "Man kann hören, wie er versucht, die Tür einzutreten", wird der Ermittler zitiert.

Nach AFP-Informationen unter Berufung auf eine anonyme Quelle, die an den Untersuchungen zur Absturzursache beteiligt sei, höre man zu Beginn des Fluges eine normale Unterhaltung auf dem Sprachrekorder. "Dann hört man das Geräusch, wie ein Sitz zurückgeschoben wird, eine Tür, die sich öffnet und wieder schließt, Geräusche, die darauf hindeuten, dass jemand gegen die Tür klopft. Und von diesem Moment an bis zum Crash gibt es keine Unterhaltung mehr", sagt der Ermittler. Zuvor hätten sich die beiden Piloten auf Deutsch unterhalten.

Eine andere Quelle berichtete laut AFP, dass der Copilot "vor Kurzem" in das Unternehmen eingetreten sei. Er sei Ende 2013 zu Germanwings gekommen "mit einigen hundert Flugstunden", wurde der Ermittler zitiert. "Sicher aber ist, dass zum Ende des Fluges der andere Pilot alleine ist und nicht die Tür öffnet." Ein Lufthansa-Sprecher sagte, seit den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA seien Cockpit-Türen nicht mehr von außen zu öffnen. Dies entspreche den Vorschriften.

Rettungskräfte bergen erste Opfer  

Unterdessen haben Helfer erste Opfer in den französischen Alpen geborgen. Sterbliche Überreste der Getöteten seien am späten Mittwochnachmittag von der Unglücksstelle weggebracht worden, bestätigte ein Polizeisprecher in Digne. Die Suche nach Opfern war am Abend mit Einbruch der Dunkelheit eingestellt worden und soll am Donnerstag weitergehen.

Beim Absturz der Germanwings-Maschine in einer unwegsamen Bergregion in den französischen Alpen waren am Dienstag alle 150 Menschen an Bord ums Leben gekommen. Am Mittwoch wurden die ersten Opfer geborgen. Zugleich ging die Suche nach dem zweiten Flugschreiber in dem Trümmerfeld weiter.

Es gibt widersprüchliche Angaben über den Zeitpunkt des Unglücks. Laut Germanwings verschwand die Maschine 10.53 Uhr vom Radar. Nach den Daten von Flugtrackern wie Flightradar24 und nach Erkenntnissen des französischen Umweltministeriums wurde schon 10.41 Uhr das letzte Signal empfangen. Der Sinkflug habe zehn Minuten gedauert und nicht wie berichtet acht Minuten. Die Gedenkminuten für die Opfer fanden bisher um 10.53 Uhr statt und sind auch am Donnerstag für diesen Zeitpunkt geplant.

Die Hotlines: Germanwings: 0800 11 33 55 77 und 01806 320 320, Lufthansa: 0800 77 66 350, Flughafen Düsseldorf: 0800 77 66 350, Auswärtiges Amt: 030 - 5000 3000

Das Live-Blog vom Dienstag hier. Eine Reportage aus Düsseldorf finden Sie hier, einen Bericht aus Haltern hier. Einen Überblick zu den wichtigsten Fakten finden Sie hier.

Die Ereignisse des Tages können Sie in unserem Live-Blog nachlesen:

  • (22:15) Rettungskräfte haben erste Leichen geborgen. Sterbliche Überreste der Opfer seien von der Unglücksstelle weggebracht worden, bestätigte ein Sprecher der Polizei in Digne.

  • (22:10) Es gibt widersprüchliche Angaben über den Zeitpunkt des Unglücks. Laut Germanwings verschwand die Maschine 10.53 Uhr vom Radar. Nach den Daten von Flugtrackern wie Flightradar24 und nach Erkenntnissen des französischen Umweltministeriums wurde schon 10.41 Uhr das letzte Signal empfangen. Der Sinkflug habe zehn Minuten gedauert und nicht wie berichtet acht Minuten. Die Gedenkminuten für die Opfer fanden bisher um 10.53 Uhr statt und sind auch am Donnerstag für diesen Zeitpunkt geplant.

  • (21:05) Die Fluggesellschaft Germanwings lässt alle ihre Beschäftigten nach Bedarf freinehmen. Die Geschäftsführung habe jedem Mitarbeiter freigestellt, ob er in dieser Situation arbeiten möchte, sagte Germanwings-Vorstandschef Thomas Winkelmann in Gesprächen mit den Zeitungen Express und Kölner Stadt-Anzeiger. In Stuttgart, Köln und Düsseldorf seien Freiwillige für Kollegen eingesprungen, die nicht fit genug für den Flug waren.

  • (19:52) Mit dem Einbruch der Dunkelheit sind die Sucharbeiten an der Absturzstelle des Airbus für die Nacht eingestellt worden. Laut Le Figaro blieben wie schon am Vorabend fünf Gendarmen zur Sicherung des Geländes vor Ort.

  • (18:57) Die Bergung und damit auch die Identifizierung der Unfallopfer hat offenbar begonnen. Das schreibt France TV Info und beruft sich auf den Staatsanwalt von Marseille, Brice Robin. "Die Identifizierung wird aber mehrere Wochen dauern", sagte er demnach. Zuvor hatte bereits der französische Innenminister Pierre-Henry Brandet gesagt, die Bergung der Opfer habe neben der Suche nach dem Flugdatenschreiber absolute Priorität.

  • (18:28) Interpol schickt auf Anfrage der französischen Behörden eine Gruppe Spezialisten nach Frankreich, die die Ermittlungen unterstützen soll. Das berichtet Le Figaro. Die Gruppe soll demnach zunächst aus vier Experten bestehen und vor allem bei der Identifizierung der Opfer helfen. Interpol werde nach dem tragischen Unfall jede Untersützung leisten, sagte Generalsekretär Jürgen Stock in einer Mitteilung.

  • (17:55) Rémi Jouty von der Untersuchungsbehörde hat dem französischen Präsidenten widersprochen. Er wisse nichts vom Fund der Hülle der zweiten Blackbox. Die Untersuchungsbehörde habe die Hülle jedenfalls nicht.

    Ein Sprecher sagte, ihm sei "nicht bekannt, dass bei einem Absturz jemals eine Blackbox zerstört wurde". Auch sei nicht denkbar, dass ein Flugschreiber in seine Einzelteile zerrissen worden sei.

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