Germanwings-Chef Thomas Winkelmann sieht die von einigen geforderte Zwei-Personen-Regel skeptisch und will sich nicht auf eine Einführung festlegen. Die Regel besagt, dass sich kein Pilot allein im Cockpit aufhalten darf. Auf die Forderung angesprochen, sagte Winkelmann im ZDF, es sei zu früh, schon Schlüsse zu ziehen.     

"Mir stellt sich die Frage, wenn ein Mensch mit solcher Energie einen kriminellen Akt begehen will, ob das dann zu verhindern ist, wenn beispielsweise eine Flugbegleiterin oder ein Flugbegleiter im Cockpit ist", sagte Winkelmann. Auch in Amerika würden nicht alle Fluggesellschaften diese Regel haben. Germanwings werde jedoch prüfen, wie die Sicherheit diesbezüglich verbessert werden könne.

Wegen des offenbar absichtlich herbeigeführten Absturzes der Germanwings-Maschine in Südfrankreich haben bereits mehrere Fluggesellschaften ihre Cockpit-Vorschriften verschärft und die Zwei-Personen-Regel eingeführt. Dies kündigten am Donnerstag Air Berlin, Lufthansa-Partner Air Canada sowie easyJet und Norwegian Air Shuttle an.

Auch der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) sprach sich für die Zwei-Personen-Regel aus. "Wir wollen unverzüglich diese neuen Verfahren einführen", sagte Hauptgeschäftsführer Matthias von Randow. Mit dem Luftfahrtbundesamt und den Fluggesellschaften werde am Freitag besprochen, wie das Verfahren konkretisiert werden könne. Die Germanwings-Mutter Lufthansa wolle diese Gespräche zunächst abwarten. Lufthansa-Chef Carsten Spohr sagte am Abend in der ARD, die Fluggesellschaften wollten überlegen, "ob es kurzfristig Maßnahmen geben kann, die die Sicherheit noch weiter erhöhen".

Strengere Tests gefordert

Vor dem Hintergrund des Unglücks hat die Internationale Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) regelmäßige medizinische Spezialtests von Piloten gefordert. Diese Untersuchungen müssten sowohl die psychische als auch die körperliche Fitness der Piloten prüfen, erklärte die UN-Organisation. Sollten die Testergebnisse Anlass zur Sorge geben, müssten auch neuropsychologische Untersuchungen in Erwägung gezogen werden, erklärte die ICAO.

Zuvor war bekannt geworden, dass der Copilot das am Dienstag verunglückte Flugzeug offenbar bewusst zum Absturz brachte. Über mögliche Motive des 27-Jährigen, der in den Minuten vor dem Zerschellen der Maschine in den französischen Alpen allein im Cockpit war, machte die französische Staatsanwaltschaft zunächst keine Angaben. Sie räumte ein, dass die Frage nach einem Suizid gestellt werden könne.