Was wirklich bedauerlich ist, ist die beharrliche Nichtthematisierung der Vorteile dieses Gesetzes – dass es nämlich den Muslimen endlich klare Regeln für ihre Imam-Ausbildung, ihre Seelsorge und Feiertagsregelungen sowie eine Reihe anderer Rechte gibt. Dafür haben sie seit Jahren gekämpft. Andererseits ist dies wenig verwunderlich: Den aus dem Ausland gesteuerten Organisationen ist mehr daran gelegen, die Interessen und Ideologien ihrer Schutzpatrone im Namen des Islam unkritisch und in blindem Gehorsam zu verteidigen, als sich Gedanken um die Zukunft des Islam in Österreich zu machen.

Es ist jedoch an der Zeit, dass die muslimischen Verbände zu Instanzen werden, die sich wirklich für die Interessen der österreichischen Muslime einsetzen und äußerer Einmischung – als einer Gefährdung ihrer Zukunft und der der Mehrheitsgesellschaft – eine Absage erteilen. Das neue Islamgesetz könnte die Grundlage für eine in die Zukunft gerichtete Verantwortung der Muslime bilden. Es könnte einen wesentlichen Beitrag zur Neugestaltung des Islam in Europa im Sinne der Aufklärung und des Fortschritts leisten – zum allseitigen Nutzen seiner Anhänger.