Die Fotos der vom Tode gezeichneten Isabelle Caro sorgten 2007 weltweit für Aufsehen. Starfotograf Oliviero Toscani fotografierte das französische Magermodel nackt für eine Kampagne gegen Anorexie. Sie soll zu der Zeit etwa 30 Kilo gewogen haben. 2010 starb sie an einer Lungenentzündung.

Fünf Jahre später diskutiert Frankreichs Regierung einen neuen Vorstoß, Magermodels von Plakaten und Laufstegen zu verbannen. Sollte der Vorstoß Erfolg haben, würden in dem Land mit seiner milliardenschweren Modeindustrie in Zukunft keine Models mehr beschäftigt werden, die krankhaft dünn sind. Verstöße würden unter Strafe gestellt werden.

Angestoßen hat diese Initiative Olivier Véran, Neurologe und sozialistischer Abgeordneter der französischen Nationalversammlung. Er fordert die Schaffung eines Straftatbestandes bei Anstiftung zur Unterernährung. Sein Gesetzesentwurf sieht demnach unter anderem Gewichtschecks in der Modebranche vor. Bei Verstößen würden den Modelagenturen Strafen von bis zu 75.000 Euro drohen. Verantwortliche von Agenturen könnten für sechs Monate ins Gefängnis kommen, wenn sie essgestörte Frauen zum Beispiel auf der Pariser Fashion Week beschäftigen. Wollen Models in Frankreich auf dem Laufsteg arbeiten, müssten sie in Zukunft ein ärztliches Attest vorweisen, das ihnen einen Body-Mass-Index (BMI) von 18 bestätigt. Gemäß der Klassifikation der Weltgesundheitsorganisation gilt man bei einem BMI von 18 als leicht untergewichtig.

Wenn es nach Véran geht, soll auch die Förderung eines extremen Schlankheitsideals unter Strafe gestellt werden. So könnten etwa Websites oder Blogs, die Essstörungen wie Bulimie und Anorexie verherrlichen, gestoppt werden. Auf sogenannten Pro-Ana-Websites (Pro-Anorexie) werden unter anderem Tipps gegeben, wie ärztliche Gewichtskontrollen manipuliert werden. Den oftmals jungen Leserinnen werden Anleitungen gegeben, wie sie einen Tag ohne Essen überstehen. "Mädchen im Alter von 12 oder 13 Jahren wird auf den Seiten erklärt, dass sie schön sind, wenn Knochen unter der Haut deutlich sichtbar seien," sagt Véran der Libération. Für eine derartige Anstiftung zur Unterernährung sieht Véran eine Strafe von 6.000 Euro vor.

Bis zu 40.000 Menschen in Frankreich leiden an Magersucht

Gesundheitsministerin Marisol Touraine, die Vérans Pläne unterstützt, sagte in einem TV-Interview, dass man auch den Modells klarmachen müsse, dass sie auf ihre Gesundheit acht nehmen sollen. Dies sei "besonders für junge Frauen wichtig, die Modells als ästhetisches Ideal ansehen".

Als Teil einer Gesundheitsreform sollen Vérans Pläne am 31. März im Unterhaus des Parlaments vorgestellt werden. 2008 gab es bereits einen ähnlichen Gesetzesentwurf, über den jedoch nie abgestimmt wurde. Länder wie Spanien, Israel und Italien hatten bereits 2013 entsprechende Gesetze verabschiedet. In Frankreich hatte sich die Modebranche bereits Anfang 2008 bereits freiwillig verpflichtet, keine extrem dünnen Models mehr zu engagieren.

Laut dem Gesundheitsministerium leiden in Frankreich 30.000 bis 40.000 Menschen an Magersucht. In 90 Prozent der Fällen sind die Betroffenen minderjährig.