Nach dem überraschenden Tod einer Zeugin im Stuttgarter NSU-Untersuchungsausschuss wollen die Ermittler alle Zweifel an der Todesursache ausräumen. Nach der Obduktion, die keine Hinweise auf ein Fremdverschulden am Tod der 20-Jährigen aus Kraichtal im Kreis Karlsruhe ergab, ordnete die Staatsanwaltschaft weitere Untersuchungen an. "Wir sind uns der Brisanz des Falles bewusst", sagte Staatsanwalt Tobias Wagner. Zum einen werde die Leiche auf Spuren von Medikamenten oder Giften untersucht, zum anderen werde sie mikroskopisch etwa auf Gewebeveränderungen geprüft.  

Die Frau sei an den Folgen einer Lungenembolie gestorben, hatten Polizei und Staatsanwaltschaft am Montag mitgeteilt. Das sei das vorläufige Ergebnis der Leichenschau in der Universität Heidelberg. 

Der Krankheitsverlauf der jungen Frau stellt sich den Behörden wie folgt dar: Sie habe sich am vergangenen Dienstag bei einem leichten Motorradunfall eine Prellung am Knie zugezogen. Zwar sei die Frau mehrfach ärztlich auch mit Anti-Thrombosemitteln behandelt worden, trotzdem habe diese Verletzung letztlich eine Verstopfung eines Blutgefäßes der Lunge ausgelöst. "Anzeichen für eine wie auch immer geartete Fremdeinwirkung haben sich bei der Obduktion nicht ergeben", hieß es in der Mitteilung der Behörden. 

Eine Lungenembolie gehört zu den häufigsten nicht oder falsch diagnostizierten Krankheiten. Laut Polizei hatte der Lebensgefährte die Frau am Samstagabend mit einem Krampfanfall in ihrer Wohnung gefunden. Die Ärzte konnten die junge Frau nicht mehr retten. Die Polizei hatte eine Obduktion angeordnet.

Zeugin soll Aussage schwergefallen sein

Die junge Frau hatte Anfang März als Zeugin im NSU-Untersuchungsausschuss des Stuttgarter Landtags ausgesagt, weil sie zuvor erklärt hatte, sie fühle sich bedroht. Sie soll eine Ex-Freundin von Florian H. sein, einem ehemaligen Neonazi. Er war im Herbst 2013 in einem Wagen in Stuttgart verbrannt. Florian H. soll angeblich gewusst haben, wer die Polizistin Michèle Kiesewetter 2007 in Heilbronn getötet hat. Der Mord wird den Rechtsterroristen des NSU zugerechnet. Am Tag seines Todes hätte H. noch einmal von der Polizei befragt werden sollen. Die Behörden gingen von Selbstmord aus.

In den vergangenen Sitzungen hatte sich der NSU-Ausschuss mit Florian H. beschäftigt. Die Familie des Verstorbenen glaubt nicht daran, dass Florian sich selbst getötet hat. Die Polizei steht in dem Fall unter Druck, weil sie offenbar nachlässig ermittelt und auch Gegenstände in dem ausgebrannten Wagen übersehen haben soll. 

Der Ausschussvorsitzende Wolfgang Drexler (SPD) reagierte positiv auf die weiteren Analysen zum Tode der Zeugin. Damit werde verhindert, dass Lücken für Spekulationen entstünden. Er selbst habe keinen Zweifel an den Schilderungen der Behörden: "Es ist ein sehr tragischer und bedauerlicher Fall." Die Polizei habe umfassend und rasch ermittelt und ihre Ergebnisse ausführlich dargelegt. "Es bleibt abzuwarten, ob sich noch etwas Zusätzliches ergibt."

Nach Angaben von weiteren Ausschussmitgliedern hatte die junge Frau vor dem Ausschuss keine konkrete Gefahr benannt. Ihr sei der Auftritt vor dem Landtagsgremium offensichtlich schwer gefallen, sagte SPD-Obmann Nikolaos Sakellariou: "Ihr war nicht wohl dabei." Sie sei von ihrem Lebensgefährten begleitet worden.