Wer ist olympiabegeisterter, Hamburg oder Berlin? Diese Frage schien längst entschieden. Während sich im Februar 20.000 Hamburger trotz Nieselregens an der Binnenalster mit Fackeln in der Hand versammelten, musste in Berlin ein olympiabegeisterter Justizsenator seine Pfannkuchen in einer Kreuzberger Markthalle unter Polizeischutz verteilen. In Hamburg hatte das Motto "Feuer und Flamme für Olympia" die gemeinhin als nüchtern und kalkulierend geltenden Hanseaten augenscheinlich überzeugt, während sich die Berliner vom Werbeslogan "Wir wollen die Spiele" eher zum Widerstand provoziert fühlten. Die Gegner hatten mit "Nolympia" offenbar das deutlich passendere Motto für die BER- und Großprojekt-genervte Hauptstadt gefunden.

Doch nun das: 55 Prozent der Berliner haben sich in einer Umfrage des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) für die Bewerbung um die Olympischen Spiele 2024 oder 2028 ausgesprochen. In Hamburg sind es sogar deutliche 64 Prozent. Ein Ergebnis, das man in der Hansestadt ungefähr so erwartet hatte, in Berlin aber für Überraschung sorgt. Denn trotz aller Nichtaufgebeparolen des Senats waren die Gegner dort lauter und präsenter, sie schienen in der Übermacht. Doch sie haben sich und ihren Rückhalt überschätzt: Hamburg und Berlin sind sich ähnlicher als gedacht – zumindest was die Olympiastimmung und ihre Entwicklung in den vergangenen Monaten betrifft.

Auch in Hamburg war die Skepsis anfangs groß: Eine tausendfache Lichterkette aus Fackeln wäre vor wenigen Monaten auch an der Alster kaum denkbar gewesen. Dass sich die Stimmung in Hamburg dann schneller als in Berlin gewandelt hat, liegt auch an den beiden Zwillingsbrüdern Gerrit und Frederik Braun.

"Ich habe das Gefühl, dass diese einmalige Gelegenheit in dieser tollen Stadt noch gar nicht so richtig angekommen ist." Gut vier Monate ist es her, dass Gerrit Braun am Hafenbecken stand und diesen Satz sagte. Neben ihm sein Zwillingsbruder Frederik, mit dem er in Hamburg das Miniaturwunderland betreibt, die weltgrößte Modelleisenbahn-Anlage. Vor den beiden: eine Kamera. In sie hinein richteten sie ihren Apell: "Lasst uns dem DOSB zeigen, dass wir die Olympischen Spiele haben wollen."

Hamburger von Anfang an begeisterter

Das Video stellten die Braun-Brüder anschließend auf ihre Homepage und auf Facebook. Zwei Sportenthusiasten, überzeugt davon, dass die Spiele gut für Hamburg wären: eine unfassbare Chance. Ein riesiger Traum. Ein Abenteuer. Eine Einschätzung, die zu diesem Zeitpunkt, Mitte November, allerdings laut einer Forsa-Umfrage nur etwa jeder zweite Einwohner ihrer Stadt mit ihnen teilte.

Immerhin war das noch eine knappe Mehrheit. Die Berliner hatten sich in derselben Umfrage knapp dagegen ausgesprochen.

Wenige Tage später stand der Klaus Wowereit im Roten Rathaus und versuchte mit mehr oder weniger prominenter Unterstützung die Begeisterung der Berliner zu wecken. "Berlin ist fit für Olympische Spiele", sagte der damals noch Regierende Bürgermeister. Der olympische Gedanke habe als Grundidee, die Jugend der Welt "zu einem friedlichen Wettbewerb zu versammeln". Dann sprach der bald 80-jährige Kabarettist Dieter Hallervorden: "Ich bin optimistisch und möchte die Spiele live sehen." Und der ebenfalls zum Botschafter ernannte Sternekoch Tim Raue erzählte noch von der Olympiabegeisterung seines Opas bei den Spielen 1936. Ausgerechnet.