Zugang zum Rixpack Hostel an der Karl-Marx-Straße in Berlin-Neukölln © Oliver Soos/Inforadio-rbb

Nicolai Robak verdient viel Geld mit Flüchtlingen, doch darüber sprechen möchte er offenbar nicht. Robak sei länger im Ausland, heißt es. Aus einer Belegungsliste des Landesamts für Gesundheit und Soziales (LaGeSo) geht hervor, dass er in zwei Hostels in Berlin-Friedrichshain knapp 180 Flüchtlinge untergebracht hat. Dafür bekommt er Geld aus dem Steuersäckel.

"Da wird ein Tagessatz verhandelt, da wird eine bestimmte Ausstattung vorgegeben. Der Durchschnittssatz bei den Gemeinschaftsunterkünften liegt bei rund 15 Euro pro Tag", sagt Franz Allert, Chef des LaGeSo. Nimmt man an, Robak bekommt pro Flüchtling 15 Euro am Tag, dann erhielte er insgesamt im Monat rund 32.000 Euro vom Staat.

Eine der beiden Unterkünfte ist das Evo Hostel auf der Halbinsel Stralau. Ein grauer, fünfstöckiger Plattenbauklotz, der gerade saniert wird. Im Garten liegen stapelweise Matratzen und Dichtungsplatten aus Schaumstoff. Ein Flüchtling aus Somalia kommt heraus und erzählt: "Mein Zimmer ist gut. Wir sind nur zu zweit, der andere kommt auch aus Somalia. Ich kann hier gut schlafen. Aber es gibt nur eine Küche und eine Toilette für 15 Leute, das ist ein Problem."

Nicht reden will hingegen Stefan Richter, ebenfalls Hostel-Besitzer. Ihm gehört das Rixpack Hostel in einem Hinterhof in der Karl-Marx-Straße in Berlin-Neukölln. Im vorderen Teil des Hofs führt ein düsteres Treppenhaus zu einem kleinen Bordell und mehreren Wohnungen. Hier hatte der Hostel-Besitzer in drei Vier-Zimmer-Wohnungen zwischen 20 und 50 Flüchtlinge untergebracht.

Monatsmiete: 12.000 Euro – pro Wohnung

Durch einen Hinweis des Jugendamts ist der Neuköllner Sozialstadtrat Bernd Sczcepanski auf eine der Flüchtlingswohnungen aufmerksam geworden. Es hieß, Kinder lebten hier unter unzumutbaren Bedingungen. Der Grünen-Politiker machte im Januar einen Kontrollbesuch: "Das Haus war extrem vermüllt und verunreinigt. In der Küche merkte ich eine unangenehme Hitze. Da stellte sich dann heraus, dass die Herdplatte an war und ich konnte sie gar nicht ausschalten, weil es gar keine Schalter gab. Die Wohnung insgesamt war sehr schmutzig, sehr verdreckt und unhygienisch."

Und dennoch: Das Land Berlin soll auch in diesem Fall 25 Euro pro Flüchtling bezahlt haben, das gab der Hostel-Besitzer zu. Rechnet man das hoch, dann ergibt sich eine Monatsmiete von bis zu 12.000 Euro pro Wohnung – bezahlt durch Steuergelder. Franz Allert sagt, im Gegensatz zum Evo Hostel hätte mit dem Rixpack Hostel keine vertragliche Vereinbarung bestanden, hier seien Flüchtlinge nur zum Übernachten hingeschickt worden: "Wenn Sie in ein Hostel gehen oder in ein Hotel, dann können Sie mit dem Hotelbetreiber auch nicht verhandeln. Wir sind eben in der Situation, genau diesen Preis zahlen zu müssen, der in dem Moment dann auch von einem Hostel aufgerufen wird."

Erst als die Beschwerden über das Rixpack Hostel öffentlich wurden, hat das LaGaSo reagiert. Mittlerweile wurden die Flüchtlinge umquartiert.

Dieser Artikel ist Teil einer gemeinsamen Recherche von ZEIT ONLINE und dem Inforadio des Rundfunks Berlin Brandenburg.

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