Der Chef des Germanwings-Mutterkonzerns Lufthansa, Carsten Spohr, hat den Angehörigen der Toten des Germanwings-Absturzes die Unterstützung des Konzerns zugesagt. Ein Sprecher von Germanwings bestätigte dem Tagesspiegel: "Lufthansa zahlt bis zu 50.000 Euro pro Passagier zur Deckung unmittelbarer Ausgaben." Das Geld werde als Ersthilfe angeboten und müsse auch auf jeden Fall nicht zurückgezahlt werden, versicherte der Sprecher. Unabhängig davon könnten auf die Fluggesellschaft darüber hinaus Entschädigungsansprüche in beträchtlichen Höhen zukommen. Auf Grundlage verschiedener Gesetze und Abkommen greifen dabei diverse Entschädigungsregelungen.

Falls nach Abschluss der Ermittlungen der Absturz als absichtliche Tat des Copiloten als bewiesen gilt, greift für die 149 Todesopfer grundsätzlich das Opferentschädigungsgesetz. Dafür genügt, dass der 27-Jährige vorsätzlich und rechtswidrig gehandelt hat – eine mögliche Schuldunfähigkeit etwa wegen der laut Staatsanwaltschaft bestehenden Krankschreibung für den Tag des Absturzes spielt für diese Bewertung keine Rolle.

Die Ansprüche aus dem Opferentschädigungsgesetz unterscheiden sich nach Angaben des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales von Fall zu Fall deutlich:

  • Für Witwen und Witwer, Hinterbliebene aus eingetragenen Lebenspartnerschafen und Waisen kommen Hinterbliebenenrenten in Betracht. Zusätzlich kann es im Bedarfsfall ergänzende Hilfsansprüche geben – etwa auf Krankenbehandlung und Fürsorgeleistungen.
  • Eltern von bei dem Flugzeugabsturz gestorbenen Kindern haben Ansprüche auf Rentenzahlungen, wenn sie selbst im Rentenalter oder voll erwerbsgemindert sind und das getötete Kind 18 Jahre oder älter war.
  • Bei den Hinterbliebenen der Flugbegleiter und des Piloten greift die Unfallversicherung an Stelle des Opferentschädigungsgesetzes.

Zusätzlich zu diesen Leistungen gilt speziell für den Luftverkehr das Montrealer Übereinkommen von 1999. Nach diesem Übereinkommen ist für Flugzeugunglücke nach technischen Fehlern der Schadenersatz bei 143.000 Euro gedeckelt. Bei einer unrechtmäßigen Handlung eines Piloten – von der im vorliegenden Fall auszugehen ist – liegen die Fakten anders. Dann kommt die Deckelung nicht zum Tragen, stattdessen können deutlich höhere Summen fällig werden. Die Höhe des Schadens richtet sich dann nach dem nachgewiesenen Schaden. Ein Beispiel: Bei einem gutverdienenden Familienvater könnte argumentiert werden, dass der durch dessen Tod entstandene Verdienstausfall für die Angehörigen übernommen werden muss.

In der Vergangenheit gab es bei Flugzeugabstürzen bei der Zahlung von Schadenersatz sowohl gerichtliche als auch außergerichtliche Lösungen. In einem Prozess in Luxemburg um den Absturz einer Luxair-Maschine im Jahr 2002 mit 20 Toten bekamen Angehörige etwa im vergangenen Jahr zwischen 21.000 Euro und 130.000 Euro je Opfer zugesprochen.

Die Allianz als federführender Versicherer teilte mit, den Betroffenen werde "schnell und unbürokratisch" zur Seite gestanden. Mit außergerichtlichen Vereinbarungen könnte auch die Lufthansa dazu beitragen, dass für die Hinterbliebenen aufreibende Prozesse vermieden werden.