Zerstörte Gräber eines jüdischen Friedhofes in Frankreich © Vincent Kessler/Reuters

Weltweit ist die Zahl antisemitischer Angriffe im vergangenen Jahr stark gestiegen. Die Gesamtzahl habe binnen eines Jahres um 38 Prozent auf 766 zugenommen, heißt es in einer an der Universität von Tel Aviv veröffentlichten Untersuchung (pdf). Der Trend setze sich in diesem Jahr fort. Die Forscher ziehen Parallelen zu den 1930er Jahren, da bei den Straftaten sämtliche Tabus fallen würden.

Vor allem in Westeuropa registrierten die Forscher eine große Zahl antisemitischer Übergriffe. Frankreich war 2014 erneut Schauplatz der meisten Vorfälle: 164 wurden von dort gemeldet. Nicht enthalten ist dabei der Überfall eines islamischen Extremisten auf einen jüdischen Supermarkt in Paris, bei dem im Januar vier Menschen getötet wurden.

Nach Frankreich gab es im vergangenen Jahr in Großbritannien mit 141 (95 im Vorjahr) die zweitmeisten und den USA mit 80 (nach 55) die drittmeisten Übergriffe. Andere Länder erlebten einen besonders starken Anstieg: In Deutschland, Belgien, Österreich und Schweden verdoppelten sich die Fälle. In Deutschland stieg die Zahl von 36 auf 76. 

Weltweit nahmen vor allem die Attacken auf Menschen drastisch zu. In insgesamt 306 Fällen gab es Opfer, was einem Anstieg von 66 Prozent entspricht.

Mosche Kantor, der Präsident des Europäischen Jüdischen Kongresses, sagte, das jüdische Leben habe einen "Wendepunkt erreicht". Viele Juden hätten Europa bereits verlassen, andere wagten sich nicht mehr auf die Straßen, schrieb er in einer Mitteilung. Juden seien gezwungen, Synagogen zu meiden. 

Vor Kurzem hatte der Präsident des Zentralrats der Juden davor gewarnt, in muslimisch geprägten Vierteln in Deutschland eine Kippa zu tragen. Israels Präsident Benjamin Netanjahu hatte Juden dazu aufgerufen, Europa zu verlassen und nach Israel zu kommen.

Der Krieg Israels gegen die radikalislamische Hamas im Gazastreifen im vergangenen Sommer gilt den Forschern als ein Grund für die Zunahme der Angriffe. Allerdings verwiesen sie darauf, dass die Zahl schon vor Ausbruch des Krieges stark gestiegen sei. Auch die Propaganda der sunnitischen Terrormiliz "Islamischer Staat" könne ein Grund sein. Der IS schaffe ein Klima des Hasses und der Gewalt und ermutige Muslime dazu, sich zu radikalisieren, heißt es in dem Bericht.