Mehrere Tausend US-Bürger haben am Mittwoch an der Ostküste gegen Polizeigewalt gegen Schwarze demonstriert. In Baltimore marschierte eine große Menschenmenge vom Bahnhof zum Rathaus. Die Demonstranten skandierten "Keine Gerechtigkeit, kein Frieden". An der Kundgebung, die nach Angaben der Polizei friedlich verlief, nahmen zahlreiche Schüler und Studenten teil. In New York versammelten sich Tausende Demonstranten auf dem Union Square im Stadtteil Manhattan. Dort kam es zu mehreren Festnahmen. In Boston nahmen laut Boston Globe an einem Protestmarsch mehr als 500 Demonstranten teil. In Washington sowie in Minneapolis im Staat Minnesota kam es zu kleineren Demonstrationen.

Die Behörden in Baltimore erinnerten die Demonstranten daran, dass ab 22 Uhr eine Ausgangssperre gilt. Das nächtliche Ausgehverbot ist zunächst für eine Woche bis jeweils 5 Uhr in Kraft. Im Sender CNN war zu sehen, dass zu Beginn des Ausgehverbots tatsächlich die meisten Demonstranten nach Hause gingen. Medienberichten zufolge standen rund 2.000 Soldaten der Nationalgarde und rund 1.000 zusätzliche Polizisten bereit, um für Ordnung zu sorgen. "Wir wollen in keine gewaltsamen Situationen geraten", sagte Generalmajorin Linda Singh von der Nationalgarde CNN. Ziel sei, Menschen und Eigentum zu schützen. Nach Angaben der Polizei kam es in Baltimore am Mittwoch zu insgesamt 18 Festnahmen in Zusammenhang mit den Protesten.

Jugendliche hatten sich in der Nacht zum Dienstag in Baltimore Straßenschlachten mit der Polizei geliefert. Autos und Gebäude gingen in Flammen auf, Geschäfte wurden geplündert. Zum Anlass für die Gewalt nahmen die Randalierer den Tod des jungen Schwarzen Freddie G., der bei seiner Festnahme Mitte April so schwere Verletzungen am Rückenmark erlitten hatte, dass er eine Woche später starb. Viele Afroamerikaner sehen ihn als jüngstes Opfer in einer Serie tödlicher Polizeieinsätze gegen Schwarze in den USA.

Proteste wegen übermäßiger Polizeigewalt gegen Schwarze kehrten auch in die US-Kleinstadt Ferguson zurück, wo es im vergangenen Jahr zu Ausschreitungen nach den tödlichen Polizeischüssen auf den schwarzen Teenager Michael Brown gekommen war. Bereits in der Nacht zum Mittwoch kam es zu Plünderungen, Bränden und Schüssen. Am darauffolgenden Abend marschierten Dutzende Demonstranten die West Florissant Avenue in dem Vorort von St. Louis entlang, wie die Zeitung The St. Louis Post-Dispatch berichtete.

Der Gouverneur des Bundesstaates Maryland, Larry Hogan, hatte als Reaktion auf die Krawalle in Baltimore den Ausnahmezustand für Baltimore ausgerufen. Außerdem mobilisierte er die Nationalgarde, die gemeinsam mit Bereitschaftspolizisten in den Straßen patrouillierte. Bereits am Wochenende waren zunächst friedliche Proteste in Gewalt umgeschlagen. Sowohl die Behörden in Baltimore als auch das US-Justizministerium haben Ermittlungen zum Tod von Freddie G. eingeleitet. Sechs Beamte wurden für die Zeit der Untersuchung vom Dienst suspendiert.