Die Terrorgruppe Boko Haram hat die mehr als 200 vor einem Jahr entführten Schülerinnen aus Nigeria nach Angaben einer Augenzeugin zwangsverheiratet. Zuvor hätten die Islamisten die überwiegend christlichen Mädchen gezwungen, zum Islam zu konvertieren, sagte Liatu Andrawus, eine 23-jährige Nigerianerin, die sich nach eigenen Angaben aus der Gewalt der Terroristen befreien konnte. Vor ihrer Flucht habe auch sie einen der sunnitischen Kämpfer heiraten müssen.

Ende des vergangenen Jahres habe sie die aus der nigerianischen Stadt Chibok entführten Mädchen in einer Koranschule in der damals von Boko Haram kontrollierten Stadt Gwoza im Nordosten des Landes getroffen. Fast alle Mädchen seien verheiratet worden, sagte Andrawus, deren Schilderungen zunächst nicht unabhängig bestätigt werden konnten.

Die ehemalige Boko-Haram-Hochburg Gwoza wurde nach Angaben der Regierung inzwischen vom Militär eingenommen. Viele Gebiete im Nordosten Nigerias sind jedoch weiter umkämpft. Experten nehmen an, dass die Boko-Haram-Kämpfer mit ihren Geiseln aus Gwoza geflohen sind.

Schon kurz nach der Entführung im April vergangenen Jahres hatten afrikanische Medien unter Berufung auf einen Dorfältesten der Gegend berichtet, dass die Mädchen für umgerechnet neun Euro pro Person verkauft und mit Islamisten zwangsverheiratet worden seien. Diese Information ließ sich nicht bestätigen.

Andrawus ist die erste bekannte Zeugin, die Informationen aus erster Hand zum Schicksal der Mädchen geben könnte. Die Entführung hatte weltweit für Entsetzen gesorgt. Die Mädchen wurden bisher jedoch auch trotz einer von Prominenten wie US-First-Lady Michelle Obama unterstützten globalen Kampagne Bring back our girls nicht wiedergefunden.