Ein Militärarzt untersucht ein zweijähriges Mädchen in der nähe von Kathmandu. © Diego Azubel/EPA/dpa

Nach dem verheerenden Erdbeben in Nepal kritisieren Helfer Ansätze einer "Zwei-Klassen-Hilfe". "Fakt ist: Im Moment werden Touristen bevorzugt behandelt und viele andere fallen hinten runter", sagte Rainer Brockhaus, Präsident des kirchlichen Bündnisses Entwicklung Hilft in Berlin. Hubschrauber würden dorthin fliegen, wo sie an der Hilfe verdienen könnten. "Touristen bestehen darauf, dass ihnen geholfen wird", sagt auch Albert Grosse-Hokamp, für Caritas International in Kathmandu.

Nepal sei in dieser Hinsicht kein Einzelfall, sagte Brockhaus, in Krisensituationen hätten die Reichen immer einen besseren Zugang zur Versorgung. "Unser Hauptanliegen ist deshalb, Gerechtigkeit bei der Versorgung herzustellen."

Bereits in den vergangenen Tagen hatten sich Helfer beklagt, dass etwa den auf dem Mount Everest festsitzenden Bergsteigern schnell geholfen worden sei, während im Tal noch immer Tausende Menschen auf Rettung warteten.    

So wurden inzwischen alle Bergsteiger vom Mount Everest gerettet. Sie seien per Helikopter von den Höhencamps 1 und 2 ins Basislager gebracht worden, sagte Ang Tshering Sherpa vom Nepalesischen Bergsteigerverband. Insgesamt hätten 180 Bergsteiger festgesessen, weil die Abstiegsroute von Lawinen zerstört wurde. Nach dem gewaltigen Beben am Samstag hatte eine Lawine auch Teile des Basislagers zerstört, mehrere Menschen kamen ums Leben.

Der für Krisenhilfe zuständige EU-Kommissar Christos Stylianides wollte noch an diesem Mittwoch nach Nepal reisen. Er wolle sich vor Ort ein Bild von der Situation machen, sagte er in Brüssel. So könne die von Europa benötigte weitere Hilfe besser eingeschätzt werden. Stylianides brachte eine internationale Geberkonferenz für Nepal ins Gespräch. Er halte das zu einem späteren Zeitpunkt für sinnvoll, sagte er. Der EU-Kommissar wird auf seiner Reise nach Nepal von der Nothilfekoordinatorin der Vereinten Nationen, Valerie Amos, begleitet.

Zahl der Toten steigt auf mehr als 5.000

Die EU-Kommission stellt bisher aus dem Gemeinschaftshaushalt eine Soforthilfe von drei Millionen Euro zur Verfügung. Zudem sind Experten und koordinierte Hilfslieferungen von 14 EU-Staaten und von Norwegen bereits in Nepal oder auf dem Weg dorthin.

Die Zahl der Toten gibt Nepal inzwischen mit mehr als 5.000 an. Zudem seien mindestens 10.000 Menschen verletzt worden, sagte Kumar Dahal vom Innenministerium. Hinzu kämen etwa 100 Tote in den Nachbarländern Indien und China.

Das Erdbeben der Stärke 7,8 hatte am Samstag große Teile des Himalaya-Gebirges erschüttert. Es wird befürchtet, dass noch mehr Menschen ums Leben gekommen sind. Aus den Gebieten rund um das Epizentrum wurden bisher noch nicht viele Tote geborgen.  


Hilfsorganisationen rufen dringend zu Spenden für Nepal auf. An folgende Konten können Sie überweisen:

Aktion Deutschland Hilft: Spendenkonto 102030 bei der Bank für Sozialwirtschaft Köln, Bankleitzahl 37020500, IBAN DE62370205000000102030

Caritas: Spendenkonto 202 bei der Bank für Sozialwirtschaft Karlsruhe, Bankleitzahl 66020500, IBAN DE88660205000202020202

Diakonie Katastrophenhilfe: Spendenkonto 502502, Evangelische Bank, Bankleitzahl 52060410, IBAN DE68520604100000502502

Save the Children: Spendenkonto 929 bei der Bank für Sozialwirtschaft, Bankleitzahl 10020500, IBAN DE92100205000003292912. BIC BFSWDE33BER, Stichwort: Soforthilfe Nepal