Fünf Tage nach dem schweren Himalaya-Erdbeben ist die Zahl der Toten auf mehr als 5.500 gestiegen. Die Behörden in Nepal sprechen offiziell von 5.489 Toten; in den Nachbarländern Indien und China starben zusammen mindestens 100 Menschen. Schwere Regenfälle erschweren mittlerweile die Arbeit der Rettungskräfte in der bergigen Region. Es bestehe die Gefahr weiterer Erdrutsche in dem Himalaya-Land, weil es derzeit ständig regnet, teilte das UN-Büro für Katastrophenhilfe mit. 

Außerhalb der Hauptstadt Kathmandu sei die Suche nach Verschütteten und Auslieferung von Hilfsgütern "noch immer eingeschränkt", erklärte die UN. Manche Gegenden könnten nur zu Fuß erreicht werden, seien aber vier bis fünf Tagesmärsche von der nächsten Straße entfernt. Es stünden nur zwei Helikopter zur Verfügung, um Nahrungsmittel im Distrikt Gorkha zu verteilen, wo das Epizentrum des Bebens lag. Auch gebe es nicht ausreichend Treibstoff.

Die Zahl der von den Folgen des Erdbebens betroffenen Menschen bezifferte die UN auf acht Millionen. Davon brauchen 3,5 Millionen Menschen Nahrungsmittel. 2,8 Millionen Menschen sind den Schätzungen zufolge obdachlos. Bislang gelingt es nur einzelnen Teams, Kathmandu zu verlassen. US-Katastrophenhelfer haben die stark betroffene Stadt Bhaktapur erreicht, um nach Verschütteten zu suchen, sagte die Sprecherin des amerikanischen Außenministeriums, Marie Harf.

Die UN koordiniert mittlerweile mehr als 1.700 spezialisierte Helfer aus mindestens 22 Ländern in Nepal, darunter mindestens 58 Deutsche. Derzeit verteilen sie vor allem Planen, Zelte, Decken und Hygiene-Sets. Allerdings mache es ihnen zu schaffen, dass es in den Zeltstädten keine Verwaltung gebe und bislang keine Daten erhoben wurden, was die Menschen dort brauchen.

Zahlreiche Bewohner Nepals sind wütend auf die Regierung ihres Landes. Sie meinen, dass nicht genug getan wird, um Lebensmittel und Wasser zu verteilen. Als Premierminister Koirala den Stadtteil Basantapur in Kathmandu besuchte, hätten zahlreiche Überlebende ihn umzingelt und ihrem Zorn freien Lauf gelassen, berichtete die Zeitung Kantipur online. Hunderte Menschen hätten auch vor Regierungsgebäuden demonstriert. Sie forderten demnach, die Regierung solle Busse zur Verfügung stellen, damit sie Kathmandu verlassen und zu Verwandten fahren können.

Die nepalesische Armee begann nach eigenen Angaben damit, in den besonders schwer betroffenen Gebieten Hilfsgüter aus der Luft abzuwerfen. 90 Prozent aller Soldaten und 33.000 Polizisten seien im Einsatz. Das Beben mit der Stärke 7,8 hatte vergangenen Samstag große Teile des Himalaya erschüttert.