Muslimische Flüchtlinge sollen auf der Fahrt über das Mittelmeer zwölf Christen über Bord geworfen haben. Die italienische Polizei in Palermo nahm deshalb 15 Verdächtige fest. Ihnen werde "mehrfacher Totschlag erschwert durch religiösen Hass" vorgeworfen, teilte die Präfektur mit. Das Motiv sei gewesen, dass die Opfer "sich zum christlichen Glauben bekennen, während die Angreifer Muslime waren".

Die Ermittler bezogen sich auf Aussagen von Überlebenden aus Nigeria und Ghana, die nach einer Rettungsaktion auf See in Palermo angekommen waren. Zahlreiche Zeugen gaben an, den Zwischenfall beobachtet zu haben. Medien berichteten von "kohärenten Angaben" der Überlebenden, es seien auch Fotos gemacht worden. Die Polizei versucht demnach noch weitere Flüchtlinge zu identifizieren, die in das Verbrechen verwickelt sein könnten.

Die Zeugen berichteten, dass sie am 14. April an der libyschen Küste ein Gummiboot mit etwa 100 Passagieren bestiegen hätten. Während der Überfahrt hätten 15 muslimische Passagiere Flüchtlinge aus Nigeria und Ghana bedroht, weil diese Christen seien. Zwölf seien über Bord geworfen worden. Die Überlebenden hätten sich retten können, indem sie sich aneinander ketteten.

Auf ihrem Weg über das Mittelmeer sind bereits Zehntausende ertrunken. Die allermeisten sterben, weil ihre überladenen Schiffe kentern. Erst am Sonntag waren 400 Menschen ums Leben gekommen, nachdem ein Boot umkippte und unterging. Die Küstenwache konnte nur etwa 140 von ihnen retten. Als ein Schlauchboot kurz nach dem Start in Libyen in Seenot geriet, konnten von den 45 Passagieren nur vier Menschen gerettet werden.

Die italienische Regierung forderte erneut mehr Unterstützung von der EU. "Die Überwachung und die Hilfsmaßnahmen im Meer lasten zu 90 Prozent auf unseren Schultern", sagte Außenminister Paolo Gentiloni dem Corriere della Sera. Es sei ein europäisches Problem, für das nicht nur italienische Medizin benötigt werde. Gentiloni forderte die EU auch auf, mehr in den Ursprungsländern der Flüchtlinge zu tun.