Die Polizei hat das für Freitag geplante internationale Radrennen absagen lassen als Reaktion auf den Bombenfund im hessischen Ort Oberursel. "Das ist ein ganz schwerer Schritt auch für die Polizei gewesen", sagte LKA-Präsidentin Sabine Thurau. Anlass seien Hinweise auf eventuelle Gefährdungen der Bevölkerung, teilte das Landeskriminalamt Hessen mit.  

Hintergrund ist die Festnahme eines Mannes und seiner Frau, in deren Haus die hessische Polizei unter anderem eine einsatzbereite Bombe gefunden hatte. Gegen das Ehepaar ist inzwischen ein Haftbefehl erlassen worden. Es sei nach wie vor unklar, ob das Ehepaar allein gehandelt habe. Der 35-Jährige hatte sich kurz vor dem Zugriff entlang der Strecke des Radrennens bewegt. Das konkretisierte nach Polizeiangaben den Verdacht der Ermittler, der Mann könnte es auf das Rennen abgesehen haben.

Den entscheidenden Hinweis auf den Verdächtigen hatte die Polizei nach eigenen Angaben aus einem Baumarkt bekommen. Weil Festgenommene dort unter falschem Namen vor mehreren Wochen drei Liter hochprozentiges Wasserstoffperoxid kaufen wollte, verständigte eine Mitarbeiterin die Polizei. Mit der  Chemikalie hätte sich der Sprengstoff TATP herstellen lassen, wie er des öfteren bei islamistischen Anschlägen zum Einsatz kam, sagte der Chef des Polizeipräsidiums Westhessen, Stefan Müller.    

Nach der Festnahme des Mannes durch ein Sondereinsatzkommando hatte die Polizei am frühen Morgen seine Wohnung durchsucht und die 34 Jahre alte türkische Ehefrau festgenommen. Den Polizisten sei bekannt gewesen, dass auch zwei kleine Kinder im Haus waren. Sie werden derzeit durch das Jugendamt betreut, sagte Müller.

Im Keller des Hauses fanden die Beamten demnach eine selbst gebaute, einsatzbereite Bombe, weiterhin 100 Schuss scharfe Munition, Teile eines automatischen Sturmgewehrs G3, ein Übungsgeschoss für eine Panzerfaust, weitere brennbare Substanzen, darunter Spiritus und Diesel sowie eine noch unbekannte Flüssigkeit. Die Ermittlungen am Tatort habe das Bundeskriminalamt mit Sprengstoff- und Tatortexperten übernommen, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Bisher keine Verbindung zu Al-Kaida nachgewiesen

Innenminister Peter Beuth hatte zuvor gesagt, der Deutsche mit türkischen Wurzeln habe eine Verbindung ins salafistisch-islamistische Milieu im Rhein-Main-Gebiet. Nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft war ein Terroranschlag in Planung, allerdings noch nicht konkret. Das Paar stehe unter Verdacht "der Vorbereitung einer schweren, staatsgefährdenden Straftat". 

Staatsanwaltschaft und Polizei wollten sich bisher nicht dazu äußern, ob die Festgenommenen Bezüge zu Al-Kaida oder dem "Islamischen Staat" haben. Nach Informationen von ZEIT ONLINE gehen die Behörden derzeit allerdings davon aus, dass zumindest keiner der beiden im Kampfgebiet in Syrien war. Bislang gibt es wohl auch noch keine Belege für direkte Beziehungen zu Terroristen im Krisengebiet im Nahen Osten. 

Der Verdacht gegen den Mann hatte sich nach Angaben von Albrecht Schreiber, dem Leiter der Staatsanwaltschaft Frankfurt, erhärtet, als er sich nahe der Strecke eines am 1. Mai stattfindenden Radrennens bewegte. Das sei Auslöser für die Entscheidung gewesen, das Haus zu durchsuchen. "Wie das Ergebnis zeigt, ist unser Verdachtsmoment nicht nur im Hinblick auf die drei Liter Wasserstoffperoxid bestätigt worden", sagte Schreiber. "Wir konnten einen Anschlag verhindern."

Auch die 2007 aufgeflogene sogenannte Sauerland-Gruppe hatte Wasserstoffperoxid verwendet. Damals gelang es Ermittlern, den gefährlichen Stoff heimlich auszutauschen, bevor die Täter Sprengsätze bauen konnten. Seitdem unterliegt der Verkauf von konzentriertem Wasserstoffperoxid der Grundstoffüberwachung.

600 Polizisten im Einsatz

Das Ehepaar aus Oberursel sei seit einem Einkauf im Baumarkt Ende März von einem Mobilen Einsatzkommando observiert worden, hieß es von der Polizei. Der Mann sei zuvor etwa 30-mal polizeilich auffällig geworden.

Im Einsatz waren den Angaben nach etwa 600 Polizeibeamte, die meisten entlang der Strecke des Rennens "Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt". Die Polizisten suchten dort nach weiteren Beweisen, nach Angaben der Ermittler bislang ohne Ergebnis.    

Das traditionsreiche Rennen durch die Taunusberge sollte um 12.00 Uhr starten und über 206,9 Kilometer führen. Zum engsten Favoritenkreis zählte der deutsche Radprofi John Degenkolb, der in Frankfurt 2011 gewonnen hatte.