In Deutschland hat es im vergangenen Jahr so viele Wohnungseinbrüche gegeben wie zuletzt vor 16 Jahren. 152.000 Fälle wurden laut den Kriminalstatistiken der einzelnen Länder im Jahr 2014 polizeilich erfasst, das entspricht einem Anstieg von fast zwei Prozent zum Vorjahr. Der Wert stieg somit zum achten Mal in Folge, allerdings nicht mehr so deutlich wie in den Jahren zuvor: Zwischen 2012 und 2013 war die Zahl um fast vier Prozent gestiegen.

In insgesamt zehn Bundesländern wurden 2014 mehr Einbrüche polizeilich registriert als 2013, zeigen die Zahlen der Länder. Bayern ragt dabei mit einem Anstieg von fast 30 Prozent heraus. Grund für die besonders hohe Steigerung ist allerdings auch das geringe Ausgangsniveau, teilte das bayerische Innenministerium mit. Das Einbruchsrisiko in Bayern sei mit 65 Einbrüchen pro 100.000 Einwohner im vergangenen Jahr noch immer dreimal geringer als im Bundesdurchschnitt gewesen.

In Baden-Württemberg und im Saarland registrierten die Ermittler beim sogenannten Wohnungseinbruchdiebstahl jeweils ein Plus von fast 20 Prozent. Rückgänge gab es in sechs Bundesländern, mit Abstand am stärksten in Thüringen (minus 17,2 Prozent). Auch in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen nahmen die registrierten Einbrüche deutlich ab – mit minus 6,9 beziehungsweise minus 3,9 Prozent. In Schleswig-Holstein, Brandenburg und Rheinland-Pfalz gab es kleinere Rückgänge von minus 0,1 bis minus 0,7 Prozent.

Union fordert härtere Strafen und Anreize für Einbruchschutz

Die Union im Bundestag will angesichts der neuen Zahlen mit dem Koalitionspartner SPD ein härteres Vorgehen gegen Einbrecher vereinbaren. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) kündigte außerdem an, "materielle Anreize" für Bürger zu schaffen, den Einbruchschutz in ihrem Haus oder ihrer Wohnung zu verbessern. Außerdem sollten Sicherheitsmaßnahmen steuerlich absetzbar sein, hatte de Maizière unlängst in der Bild gefordert. 40 Prozent der Einbrüche, so de Maizière, scheiterten bereits im Versuchsstadium, Sicherheitsvorkehrungen würden sich also lohnen. Zudem setze er auf neue Polizeimethoden, wie das sogenannte Predictive Policing, also die Vorhersage von Tatmustern auf der Grundlage von Datenauswertungen.

Fraktionschef Volker Kauder (CDU) schlug am Wochenende eine deutliche Verschärfung des Strafmaßes vor. Wohnungseinbruch solle generell mit der geltenden Haftstrafe von sechs Monaten bis zehn Jahren geahndet werden – die bisherige Ausnahmeregelung für minderschwere Fälle mit einem Strafmaß von drei Monaten bis fünf Jahren soll also entfallen. Einbruchsdiebstahl müsse zudem "in den Katalog der Straftaten aufgenommen werden, zu deren Verfolgung die Telekommunikation überwacht werden kann", sagte Kauder der Welt am Sonntag.

Kauder sieht gute Chancen, dass der Bund demnächst konkrete Maßnahmen auf den Weg bringt. Bei einer Klausurtagung der Fraktionsvorstände von Union und SPD an diesem Donnerstag rechne er mit einem ersten Beschluss dazu. Auf Länderseite macht sich vor allem Bayern für härtere Strafen stark. Der Schaden nach Einbrüchen, etwa durch organisierte Banden, sei nicht nur materiell, sondern könne bei Betroffenen zu psychischen Leiden führen. Ein Gesetzesvorschlag des CSU-regierten Landes wurde im März dem Rechtsausschuss des Bundesrates zugeleitet.

Die Veröffentlichung der offiziellen Polizeilichen Kriminalstatistik für ganz Deutschland steht noch aus. Seit Montag sind aber die Angaben aus allen 16 Bundesländern bekannt. Somit lassen sich jetzt bundesweite Entwicklungen zusammenrechnen.