Das Dorf Jharibar, Gorkha, ist nach dem Erdbeben in Nepal vollständig zerstört. © Athit Perawongmetha/Reuters

In Nepal bleibt die Lage nach dem verheerenden Erdbeben vom Wochenende vielerorts lebensgefährlich. Zahlreiche Dörfer sind weiterhin von jeglicher Hilfe abgeschnitten, die Wege nach Erdrutschen versperrt. Regierungschef Sushil Koirala räumte ein, dass die Behörden angesichts der schieren Zahl der Hilferufe aus den entlegenen Himalaya-Dörfern überfordert seien.   

Besonders schwer hat es den Ort Ghodatabela getroffen. Das abgelegene Dorf im Bezirk Gorkha, in dem sich das Epizentrum des Bebens vom Samstag befand, wurde am heutigen Dienstag von Schnee- und Geröllmassen verschüttet. Wie ein Behördensprecher mitteilte, gelten alle 250 Anwohner als vermisst.

Die nächstgelegene Stadt kann von dem Dorf bei normalen Verhältnissen in einem zwölfstündigen Fußmarsch erreicht werden. Ghodatabela liegt an einer beliebten Trekking-Route. Ob Touristen unter den Vermissten sind, war zunächst nicht bekannt.

Der Krisenstab im Auswärtigen Amt bemüht sich weiter um Informationen über das Schicksal von mehr als 100 Deutschen, die seit dem Erdbeben in Nepal vermisst werden. "Nach derzeitigem Stand haben wir die traurige Gewissheit, dass ein deutscher Staatsangehöriger unter den Todesopfern des Erdbebens in Nepal ist", sagte ein Sprecher des Ministeriums. Es könne zum jetzigen Zeitpunkt nicht ausgeschlossen werden, dass sich weitere Deutsche unter den Opfern befinden. Angaben zur Zahl der Verletzten machte er nicht. 

Zuvor hatte die Universität Göttingen mitgeteilt, ein Geografie-Professor der Universität sei in Nepal gestorben. Er habe sich mit 15 Studenten und einem weiteren Wissenschaftler auf Exkursion befunden. Nach Angaben seiner Familie sei er während des Bebens von herabstürzenden Felsmassen getroffen und tödlich verletzt worden. Zum Zeitpunkt des Erdbebens habe er sich "ein gutes Stück der Gruppe voraus" befunden, teilte die Familie mit. Die übrigen Teilnehmer der Gruppe seien bis auf kleinere Verletzungen unversehrt geblieben.

In Kathmandu konnten mit Unterstützung der deutschen Botschaft einige Deutsche und ihre Angehörigen das Land verlassen, teilte das Auswärtige Amt mit. Diplomaten hätten einen Betreuungsstand am Flughafen der nepalesischen Hauptstadt eingerichtet. Einige deutsche Staatsbürger hielten sich noch auf dem Botschaftsgelände auf.

In Nepal starben nach jüngsten Angaben mehr als 5.000 Menschen, mehr als hundert weitere Menschen im benachbarten Indien und China, sagte der für den Katastrophenschutz zuständige Abteilungsleiter im Innenministerium, Rameshwor Dangal. Die Zahl der Verletzten stieg demnach auf über 10.000.

Aus Kathmandu seien 250.000 Menschen geflüchtet, sagte ein Sprecher des Transportministeriums. Sie seien auf der Suche nach Nahrung und Wasser, sagte Philips Ewert, Einsatzleiter der Hilfsorganisation World Vision vor Ort. Außerdem wollten die Menschen wissen, wie es ihren Angehörigen und Häusern auf dem Land gehe.  

Nepal - Zehntausende verlassen Kathmandu nach dem Erdbeben Auf der Suche nach Wasser und Nahrung haben Zehntausende Menschen das von einem Erdbeben schwer getroffene Kathmandu-Tal in Nepal verlassen. Der Ministerpräsident Nepals fürchtet, dass durch die Katastrophe 10.000 Menschen getötet worden seien.

Die internationale Hilfe läuft ebenfalls nicht reibungslos an. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) musste seinen bereits für Montagabend geplanten Hilfsflug am Vormittag abermals verschieben. "Uns sind die Hände gebunden. Wir haben noch immer keine Überfluggenehmigung für Indien bekommen", sagte DRK-Sprecherin Alexandra Burck. Der Luftraum sei zu voll. Die Crew hoffe, noch im Laufe des Tages fliegen zu können. Das Flugzeug stehe am Flughafen Schönefeld bereit.  

Nach dem Beben - Im Dorf Khokana helfen sich die Einwohner selbst

An Bord der Maschine sind 60 Tonnen Hilfsgüter, darunter auch Zelte, Decken und Hygienepakete. Finanziert wird die Lieferung im Wert von 670.000 Euro vom Auswärtigen Amt.

Laut Zensusdaten aus dem Jahr 2011 leben in Kathmandu etwa 1,7 Millionen Menschen. Im ganzen Land sind es 26 Millionen. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen sind etwa acht Millionen Menschen von dem schweren Erdbeben vom Samstag im Himalaya betroffen. Mehr als 1,4 Millionen bräuchten Nahrungsmittel, erklärte das Amt für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) in New York.

Hilfsorganisationen rufen dringend zu Spenden auf. Folgende Möglichkeiten gibt es:

Caritas: Spendenkonto 202 bei der Bank für Sozialwirtschaft Karlsruhe, Bankleitzahl 66020500, IBAN DE88660205000202020202

Diakonie Katastrophenhilfe: Spendenkonto 502502, Evangelische Bank, Bankleitzahl 52060410, IBAN DE68520604100000502502

Aktion Deutschland Hilft: Spendenkonto 102030 bei der Bank für Sozialwirtschaft Köln, Bankleitzahl 37020500, IBAN DE62370205000000102030