Homosexuelle haben in Russland stärker mit Vorurteilen zu kämpfen als noch vor zwei Jahren. In einer repräsentativen Umfrage des amerikanischen Instituts NORC Ende 2014 sagten 51 Prozent der Teilnehmer, sie wollten keine Schwulen und Lesben als Nachbarn haben. 2012 teilten nur 38 Prozent diese Ansicht. In der Umfrage äußerten 63 Prozent die Auffassung, die Gesellschaft solle Homosexuelle nicht akzeptieren. Nur 20 Prozent waren gegenteiliger Meinung.

Russlandhatte 2013 eine Gesetz gegen sogenannte homosexuelle Propaganda erlassen, das es unter anderem verbietet, Kinder über die Liebe zwischen Partnern gleichen Geschlechts zu informieren.

Auch die Ablehnung der Vereinigten Staaten und der EU nahm in Russland zu. Fast zwei Drittel der Befragten hatten eine negative Meinung von den USA, 49 Prozent fanden die EU schlecht. 2012 waren das nur 25 beziehungsweise 11 Prozent der Interviewten. Während die EU und die USA zunehmend als "Gegner" angesehen werden, wird China als Partner anerkannt. Als Gründe dafür werden die europäischen Sanktionen gegen Russland als Reaktion auf den Konflikt in der Ukraine genannt. Russland solle sich laut Umfrageergebnissen aber die Mühe machen, die Beziehungen zwischen den Staaten zu verbessern.

Der Großteil der Russen schätzt das Land im internationalen Machtvergleich stärker ein als noch vor zehn Jahren. Zwei von drei Russen sind der Meinung, das Land solle sich stärker in das Weltgeschehen einbringen. Die Austragung der Olympischen Winterspiele 2014 und der Fußballweltmeisterschaft 2018 habe aus Sicht der meisten Russen das Image des Landes verbessert.     

Gleichzeitig hat sich die Sicht auf die Meinungsfreiheit in den vergangenen beiden Jahren nicht verändert. Sechs von zehn Russen geben an, es sei nicht möglich, sich frei über politische Themen zu äußern.     

Das NORC der Universität Chicago interviewte für die Umfrage Ende vergangenen Jahres 2008 Russen im Alter ab 18 Jahren.