Ein Zelt dient als provisorische Unterkunft für eine Familie in Kathmandu. © Adnan Abidi/Reuters

Seit dem verheerenden Himalaya-Erdbeben sind mehr als 4.400 Leichen in den Trümmern gefunden worden, darunter mehr als 4.300 in Nepal. Allein im Distrikt Sindhupalchok nordöstlich der schwer getroffenen nepalesischen Hauptstadt Kathmandu wurden bislang 1.176 Tote geborgen, wie der stellvertretende Generalinspekteur der Polizei, Komal Singh Bam, berichtete. Ministerpräsident Sushil Koirala befürchtet, dass bis zu 10.000 Menschen ums Leben gekommen sein könnten. Die Regierung ordnete drei Tage Staatstrauer an.

Die Regierung erklärte erstmals öffentlich, trotz zahlreicher Warnungen vor einem bevorstehenden großen Beben keine ausreichenden Vorkehrungen getroffen zu haben. "Wir waren auf ein Desaster dieses Ausmaßes nicht vorbereitet", sagte Innenminister Bam Dev Gautam im staatlichen Fernsehen. Auch bei dem Rettungseinsatz sei seine Regierung überfordert: "Wir haben nicht genügend Mittel, und wir brauchen mehr Zeit, um alle zu erreichen." In den abgelegenen Dörfern ist bisher kaum Hilfe angekommen, auch weil viele Straßen zerstört sind.

Auf der Suche nach Nahrung und Wasser

Selbst in der Hauptstadt Kathmandu beschwerten sich zahlreiche Menschen. "Wir leben hier auf der Straße, ohne Essen und Wasser, und wir haben in den vergangenen drei Tagen keinen einzigen Beamten gesehen", sagte ein Mann, der mit seiner Familie im Freien campierte. Laut der nepalesischen Zeitung Himalayan Times verließen mehr als 72.000 Menschen das Kathmandutal nach dem Beben auf der Suche nach Wasser und Nahrung.

Es gebe dort derzeit keinen Strom und kaum Trinkwasser, sagte Philips Ewert, Einsatzleiter der Hilfsorganisation World Vision. Alle großen Geschäfte und Banken in Kathmandu seien geschlossen. "Außerdem wollen viele Menschen in ihre Heimatdörfer fahren und schauen, wie es ihren Familien geht", sagte Ewert. Auf Fotos waren Lastwagen und Busse voller Menschen zu sehen. Lokale Medien sprachen mit vielen Bewohnern, die sich bitter über die mangelnde Vorbereitung und Koordination der Behörden beklagten. Auch würden die Hilfsgüter nicht gleichmäßig verteilt.


Nepal bittet um Hilfe

Der nepalesische Rettungskoordinator und Generalsekretär der Regierung, Lila Mani Poudyal, sagte, man benötige weitere Hilfe. Man brauche Zelte, Decken, Matratzen und 80 verschiedene Arzneien. "Wir haben nicht die Hubschrauber, die wir benötigen, oder auch das Wissen, wie man eingeschlossene Menschen rettet." Benötigt würden zudem Orthopäden, Anästhesisten, Neurologen, Pfleger und weitere Mediziner.

Nepal - Zehntausende verlassen Kathmandu nach dem Erdbeben Auf der Suche nach Wasser und Nahrung haben Zehntausende Menschen das von einem Erdbeben schwer getroffene Kathmandu-Tal in Nepal verlassen. Der Ministerpräsident Nepals fürchtet, dass durch die Katastrophe 10.000 Menschen getötet worden seien.

Rettungskräfte und Hilfsgüter aus dem Ausland gelangten zeitweise jedoch nicht ins Land, weil sich der Flughafen von Kathmandu als zu klein erwies, um alle ankommenden Transportmaschinen aufnehmen zu können. Vier indische Militärmaschinen mussten deswegen unverrichteter Dinge wieder abdrehen. Sie sollten es später erneut versuchen, teilte das indische Verteidigungsministerium mit. Der Pilot eines israelischen Hilfsflugzeuges sagte, nicht alle Flugzeuge könnten wegen Überfüllung der Landebahnen landen. Diese seien zudem teilweise beschädigt. Priorität hätten Flugzeuge mit Ärzte- und Suchteams. Viele Touristen konnten auch deshalb nicht ausfliegen. Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen schicken auch Teams über beschwerlichen Landweg in die betroffenen Gebiete – von Indiens Hauptstadt Neu-Delhi dauert es drei bis fünf Tage.

Göttinger Professor getötet

Unter den Toten ist auch ein Professor der Göttinger Georg-August-Universität. Wie ein Sprecher der Universität mitteilte, befand sich der Geograf mit 15 Studenten und einem weiteren Wissenschaftler auf einer Exkursion nordwestlich von Kathmandu, als die Gruppe vom Erdbeben überrascht wurde. Einige der Studierenden wurden bei dem Unglück leicht verletzt.

Dagegen sind offenbar alle Bergsteiger vom Mount Everest ins Tal geflogen worden. Bislang seien 205 Bergsteiger am höchsten Berg der Welt gerettet worden, teilte der örtliche Polizeisprecher Bhanubhakta Nepal mit. Die Polizei sprach von 17 Menschen, die durch eine Lawine im Everest-Basislager gestorben seien. Ein Sprecher der Tourismusbehörde gab die Zahl mit mindestens 20 an. Das indische Militär, das bei der Rettungsaktion mithalf, sprach von 22 Toten.

Bergsteiger Daniel Mazur schrieb aus Camp 1 oberhalb des Basislagers: "Wir sind die letzten neun Sherpas und acht Kletterer am Everest." Die Helikopter-Landestelle liege auf 6.100 Metern Höhe. "Sonnig und wolkenlos, aber das Warten ist schwer", teilte er via Twitter mit. Mehr als 100 Bergsteiger saßen am Berg fest, weil die Aufstiegsroute – dazu gehören Leitern und Seile durch einen Gletscher – durch Lawinen zerstört worden war. Zum Zeitpunkt des Unglücks hielten sich etwa 1.000 Menschen im Basislager auf.

Hilfsorganisationen rufen dringend zu Spenden auf. Folgende Möglichkeiten, zu spenden, gibt es:
Caritas: Spendenkonto 202 bei der Bank für Sozialwirtschaft Karlsruhe, Bankleitzahl 66020500, IBAN DE88660205000202020202

Diakonie Katastrophenhilfe
: Spendenkonto 502502,
 Evangelische Bank, Bankleitzahl 52060410, IBAN DE68520604100000502502
Aktion Deutschland Hilft
: Spendenkonto 102030 bei der Bank für Sozialwirtschaft Köln, Bankleitzahl 37020500, IBAN DE62370205000000102030