Der "Islamische Staat" hat in Libyen offenbar entführte Christen aus Äthiopien getötet. Die Terrormiliz hat ein Video veröffentlicht, das die Ermordung der rund 30 Menschen zeigen soll. Die 29 Minuten lange Aufnahme trägt das offizielle Logo von Al-Furkan, dem Medienarm des IS.  

In dem Video sind zwei Gruppen von Menschen zu sehen, die jeweils von IS-Verbündeten im Osten und Süden des Landes gefangen gehalten wurden. Ein maskierter Extremist hält zunächst eine lange Rede, bevor Bilder zeigen, wie die Gefangenen im Süden erschossen und die im Osten an einem Strand geköpft werden.

Bereits im Februar hatten Anhänger des IS in Libyen 21 koptische Christen aus Ägypten enthauptet, die zuvor ebenfalls entführt worden waren. Ägypten bombardierte daraufhin mehrere Lager und Stellungen des IS in Libyen, um Vergeltung für die Morde zu nehmen. Zudem veröffentlichte die Terrormiliz bereits mehrere Videos mit der Enthauptung westlicher Geiseln.

In Libyen herrschen seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi im Herbst 2011 Chaos und Gewalt. Verschiedene rivalisierende Milizen kämpfen um die Kontrolle der größeren Städte und Ölvorkommen, während zwei Parlamente und Regierungen die Macht für sich beanspruchen.

IS-Geheimdienst in Syrien

In Syrien gehe der "Islamische Staat" mit den Methoden eines hochkomplexen Geheimdienststaats vor, wie das Nachrichtenmagazin Der Spiegel berichtet. Dies enthüllten Strategie- und Organisationspläne aus der innersten IS-Führung. Wie Recherchen in Nordsyrien und und ein weiterer Aktenfund aus dem Anfang 2014 verlassenen IS-Hauptquartier in Aleppo ergaben, habe es mit flächendeckender Ausspionierung, Überwachung und mit Morden begonnen. Unter dem Deckmantel islamischer Missionierungsbüros seien in Städten und Dörfern Nordsyriens als Prediger getarnte Spione ausgebildet worden. Sie sollten Machtverhältnisse und Schwachstellen der jeweiligen Orte in Erfahrung bringen.  

In einem nächsten Schritt sollten charismatische Führungsfiguren und Rebellenführer von speziell etablierten Einheiten für "Ermordungen" und "Entführungen" beseitigt werden, um potenziellen Widerstand frühzeitig zu ersticken. Erst dann sollten militärische Angriffe erfolgen, unterstützt von "Schläferzellen" mit Waffen und Kämpfern. Die Pläne seien exakt umgesetzt worden.