In der Nacht auf Samstag haben Unbekannte in Tröglitz eine Unterkunft angezündet, die für Flüchtlinge vorgesehen war. Die Ermittler halten einen politischen Hintergrund zumindest für naheliegend. Doch Tröglitz ist kein Einzelfall.    

Übergriffe auf Flüchtlingsheime sind in Deutschland keine Seltenheit. Immer wieder kam es in der jüngeren Vergangenheit zu Sachbeschädigungen, Brandstiftung und Pöbeleien. Allein im vergangenen Jahr verzeichnete die Polizei in Deutschland 150 Attacken. Schon 2013 hatte sich die Zahl mehr als verdoppelt: 2012 waren noch 24 Angriffe gezählt worden, im Jahr darauf 58. 

Und auch in den vergangenen Monaten gingen die Übergriffe unvermindert weiter. In der Nacht zum 12. Dezember steckten im mittelfränkischen Vorra mutmaßlich rechtsextreme Täter einen umgebauten Gasthof samt Scheune sowie ein frisch renoviertes Wohnhaus in Brand. Auf ein Nebengebäude sprühten sie eine Neonazi-Parole und zwei Hakenkreuze. Ursprünglich sollten hier im Januar rund 70 Flüchtlinge einziehen. Nun müssen die Unterkünfte saniert werden. Der oder die Täter sind noch nicht gefunden. Für die Aufklärung der Tat sind 20.000 Euro Belohnung ausgesetzt.

Im Januar beschossen sechs Männer im nordrhein-westfälischen Porta Westfalica eine Flüchtlingsunterkunft mit Farbkugeln. Anfang Februar zog eine Gruppe Rechtsextremer in Dortmund mit Fackeln vor einem Flüchtlingsheim auf und skandierte ausländerfeindliche Parolen.

In Escheburg bei Lübeck brach am 9. Februar ein Feuer in einer Unterkunft aus, in die am nächsten Tag irakische Flüchtlinge einziehen sollten. Später gestand ein Anwohner, durch ein beschädigtes Fenster Pinselreiniger in das Gebäude gekippt und die Flüssigkeit angezündet zu haben. Mit der Aktion wollte er den Einzug der Flüchtlinge verhindern.

Anfang März setzten Unbekannte im baden-württembergischen Malterdingen ein für Flüchtlinge vorgesehenes Gebäude unter Wasser. In zwei Räumen wurden die Wasserhähne und die zugehörigen Abflussrohre abgerissen, sodass das Wasser unkontrolliert auslaufen konnte. Die Polizei bezifferte den Schaden auf mehrere Zehntausend Euro.

Pogrome in den Neunzigern

Ein neues Phänomen sind die Übergriffe nicht, auch wenn die Zahlen zuletzt wieder stiegen. In den frühen 1990er Jahren hatten mehrere fremdenfeindliche Brandanschläge mit Toten und Verletzten weltweit für Entsetzen gesorgt.

Im September 1991 griffen Rechtsextreme in Hoyerswerda erst ein Ausländerwohnheim an, dort lebten Vietnamesen und Mosambikaner. Danach attackierten sie ein Asylbewerberheim, unter dem Applaus Hunderter Einheimischer. Die Polizei bekam die Lage nicht in den Griff, tagelang kam es zu Krawallen. Schließlich wurden Ausländer mit Bussen aus der Stadt transportiert.

Am 22. August 1992 versammelten sich in Rostock-Lichtenhagen Tausende Rechtsradikale und Anwohner vor der Zentralen Aufnahmestelle für Asylbewerber. Nazi-Parolen wurden skandiert. Zwei Tage später wurde die Aufnahmestelle geräumt, jetzt wurden die nebenan lebenden ehemaligen DDR-Vertragsarbeiter aus Vietnam zum Ziel der Rassisten. Brandsätze flogen, die Polizei schaute zu. Reines Glück, dass niemand starb. Die Ausschreitungen dauerten vier Tage an.

Doch nicht nur gegen Flüchtlingsunterkünfte richtete sich damals die Gewalt: In der schleswig-holsteinischen Kleinstadt Mölln wurden in der Nacht auf den 23. November 1992 bei einem Brandanschlag auf zwei von türkischen Familien bewohnte Häuser drei Menschen getötet und neun verletzt. Noch während die Löscharbeiten liefen, bekannten sich die Täter in einem Telefonanruf mit Hitlergruß zu dem Anschlag.

Am 29. Mai 1993 verübten Rechtsextreme in Solingen einen Brandanschlag auf ein Zweifamilienhaus. Fünf Menschen türkischer Herkunft wurden getötet.  

Folge rechter Mobilisierung

Die Übersicht ist längst nicht erschöpfend, und das nicht einmal für die vergangenen Monate. Allein für das erste Quartal dieses Jahres zählen Organisationen wie die Antonio Amadeu Stiftung und Pro Asyl 20 Attacken auf Flüchtlingsunterkünfte. Die Gewalt richtet sich aber auch in der Gegenwart nicht nur gegen Gebäude: Auch 21 Übergriffe gegen Bewohner tauchen in der Statistik auf.

Als Ursache haben die Organisationen die rechte Mobilisierung auf der Straße und in den sozialen Netzwerken ausgemacht. Diese, so heißt es in einer Analyse der Antonio Amadeu Stiftung, führe mittlerweile "zu tatsächlichen Angriffen auf Flüchtlinge und deren Unterkünfte".