In einem für Flüchtlinge vorgesehenen Haus in Tröglitz in Sachsen-Anhalt hat es in der Nacht zum Samstag gebrannt. Zwei Bewohner des Hauses konnten sich unverletzt in Sicherheit bringen. Das gesamte Dach sei durch das Feuer zerstört worden, teilte die Polizei in Halle mit. 

Das Feuer sei gegen zwei Uhr nachts ausgebrochen, sagte eine Polizeisprecherin ZEIT ONLINE. Um 4.30 Uhr habe die Feuerwehr den Brand endgültig löschen können. Die beiden geflüchteten Bewohner des Hauses seien Deutsche; die 50 Jahre alte Frau und der 52-jährige Mann wohnten im Dachgeschoss, aber nicht direkt in dem für die Flüchtlinge vorgesehenen Bereich. Hinweise auf eine Demonstration von Rechtsextremen in engem zeitlichen Zusammenhang mit dem Feuer gebe es nicht. Die Staatsanwaltschaft ermittle jedoch aufgrund der Sensibilität des Objektes wegen Brandstiftung.


"Ich gehe von Brandstiftung aus, die sogar den Tod des dort noch lebenden Ehepaares in Kauf genommen hat", sagte der ehemalige Ortsbürgermeister von Tröglitz, Markus Nierth, dem Tagesspiegel. Wegen der Bedrohung durch Rechtsextreme hatte Nierth sein Amt im März aufgegeben.

"Da ist die braune Saat so weit aufgegangen, dass man nun lieber Häuser niederbrennt, in denen Familien eine neue Bleibe finden sollten", sagte Nierth. Sogar Familien aus Kriegsgebieten werde "von kranken, bösen Gehirnen" freistehender Wohnraum nicht gegönnt. Das sei "eine bleibende Schande für Tröglitz, die uns nun mit Mölln und Hoyerswerda in eine Reihe bringt und noch viele unabsehbare Folgen haben wird". Davon werde der Ort sich wohl nie mehr erholen.

Nierth äußerte sich auch im Kommentarbereich der Mitteldeutschen Zeitung: "Ich habe soeben dem Landrat vorhandenen privaten Wohnraum angeboten, um dort Familien unterzubringen. Ich rufe alle Tröglitzer auf, ebenfalls leerstehenden Wohnraum Flüchtlingen zur Verfügung zu stellen, damit die Braunen nicht über unseren Ort siegen! Es ist nun endgültig ZEIT AUFZUSTEHEN!"

Nierth verteilte am Morgen in Tröglitz ein Flugblatt, das zum Besuch einer "Spontan-Kundgebung" um 17 Uhr auffordert. Er wandte sich damit an "alle menschenfreundlichen Tröglitzer, die gegen diesen unerträglichen Hass ein Zeichen setzen wollen". Sein Appell schließt mit den Worten: "Tröglitzer, steht miteinander – füreinander!"

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) schrieb auf Twitter: "Schlimmer Verdacht nach Brand in Tröglitz macht fassungslos. Wir müssen weiter deutlich machen: Flüchtlinge sind bei uns willkommen!" Linken-Chef Bernd Riexinger forderte: "Behörden müssen BürgerInnen, die Zivilcourage zeigen, aktiven Schutz leisten. Tröglitz nicht Pegida überlassen. Geistige Brandstifter ächten!"

40 Flüchtlinge sollen im Mai kommen

Tröglitz im Burgenlandkreis ist bundesweit in den Schlagzeilen, seit Markus Nierth wegen rechtsextremer Anfeindungen seinen Rücktritt als Bürgermeister erklärt hatte. Die NPD-geführten Proteste richteten sich gegen die geplante Unterbringung von etwa 40 Flüchtlingen. Die ersten sollen Anfang Mai nach Tröglitz kommen.

In Tröglitz leben 2.700 Menschen. Als bekannt wurde, dass dort eine Unterkunft für Flüchtlinge eingerichtet werden sollte, hatte Nierth einen Brief an die Einwohner geschrieben. Darin hieß es, er ahne, dass es Probleme geben wird, und appellierte an die Bürger, "den Fremden eine Chance zu geben".  

Die NPD nutzte das Thema für Protestaktionen. An diesen sogenannten Spaziergängen beteiligten sich jeweils etwa 150 Menschen. Als eine der Demonstrationen direkt am Hof des Bürgermeisters und seiner Familie vorbeiführen sollte, trat er Anfang März von seinem Amt zurück. Er fühlte sich von der Politik nicht ausreichend unterstützt und sah seine Familie nicht gut genug geschützt.