Rund 350 Menschen setzen in Tröglitz ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit © Hendrik Schmidt/dpa

Nach dem Feuer in einem Haus in Tröglitz haben sich laut MDR etwa 350 Menschen versammelt, um mit einer Lichterkette gegen Fremdenfeindlichkeit zu demonstrieren. Die Kundgebung war am Morgen von einer Bürgerinitiative und Ex-Bürgermeister Nierth angeregt worden. Redner aus Politik, von Vereinen und Kirchen warben für ein Zeichen gegen Hass und Ausgrenzung. Die geplante Unterkunft für Flüchtlinge war in der Nacht vorsätzlich angezündet worden, sie ist nun unbewohnbar. Im Mai sollten 40 Menschen einziehen.  

Das Feuer ist nach Erkenntnissen der Ermittler vorsätzlich gelegt worden. Das teilte die Polizei in Sachsen-Anhalt Süd mit. Bislang sei bekannt, dass eine oder mehrere Personen in der Nacht auf Samstag in das Haus eingebrochen seien und dort Feuer gelegt hätten, hieß es in der Mitteilung. "Dabei wurde mit großer Wahrscheinlichkeit auch Brandbeschleuniger verwendet."

Die Staatsanwaltschaft stuft das Feuer als "definitiv besonders schwere Brandstiftung" ein. Eine politisch motivierte Tat könne nicht ausgeschlossen werden, sagte Staatsanwalt Jörg Wilkmann in Halle. Es handle sich um eine "gemeingefährliche Straftat schlimmster Art".

Die Ermittler halten einen politischen Hintergrund für naheliegend: "In Anbetracht des Gesamtgeschehens in Tröglitz ermittelt der polizeiliche Staatsschutz, weil wir eine politisch motivierte Tat auf keinen Fall ausschließen können", sagte die Präsidentin der zuständigen Polizeidirektion in Halle, Christiane Bergmann. "Wir sind aber ganz am Anfang der Ermittlungen, sodass ich mehr dazu im Moment nicht sagen möchte."

Nach den bisherigen Erkenntnissen seien in der Nacht zu Samstag ein oder mehrere Täter in das Mehrfamilienhaus eingebrochen, das im Mai die ersten von 40 Asylbewerbern beziehen sollten. Dort legten sie laut Wilkmann das Feuer.

Der zum Wohnbereich ausgebaute Dachstuhl wurde zerstört. Es sei nicht auszuschließen, dass es sich um eine politisch motivierte Brandstiftung handele, sagte ein Sprecher der Polizei. In Tröglitz hatte es monatelang Streit um den Zuzug von Asylsuchenden gegeben. Die NPD hatte mehrfach zu Protestmärschen aufgerufen.

Der ehemalige Tröglitzer Bürgermeister Markus Nierth sagte: "Ich bin fassungslos, traurig und wütend zugleich. Die Braunen dürfen über unseren Ort nicht siegen." Außerdem bot er für die Flüchtlinge, die im Mai eintreffen sollen, zwei private Wohnungen an. Er wünsche sich, dass andere seinem Beispiel folgten.

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) sagte der Welt am Sonntag: "Wenn Flüchtlingsheime brennen, ist das beschämend." Er rief alle Bürger auf, gegen Rechtsextremismus Position zu beziehen: "Wo immer Rechtsextreme Stimmung machen gegen Ausländer, müssen wir gemeinsam dagegenhalten."

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) forderte rasche Aufklärung: "Im Moment spricht alles dafür, dass es sich bei den Ereignissen in Tröglitz um vorsätzliche Brandstiftung gehandelt hat. Wenn sich das tatsächlich bestätigen sollte, ist das eine abscheuliche Tat, die unverzüglich aufgeklärt werden muss. Die Täter gehören hinter Schloss und Riegel." Menschen, die Schutz in Deutschland suchten, müssten hier friedlich und sicher leben können: "Unsere Sicherheitsbehörden sind fest entschlossen, das hierfür Notwendige zu tun."

In der Bild-Zeitung schloss de Maizière allerdings auch nicht gänzlich aus, dass Extremisten oder Attentäter als Flüchtlinge getarnt nach Deutschland einreisen könnten. Allerdings gebe es für diese These bislang "keine belastbaren Hinweise".