Der Prozess gegen drei junge Menschen in Weimar ist nach fünf Prozesstagen ohne ein Urteil eingestellt worden. Die beiden Frauen und der Mann waren wegen falscher Verdächtigung von Polizeibeamten vor dem Amtsgericht Weimar angeklagt worden.

Das Verfahren bekam große Aufmerksamkeit, weil die Angeklagten zuvor Weimarer Polizisten angezeigt hatten: Die drei Angeklagten waren in der Nacht zum 20. April 2012 von Beamten der Polizeiinspektion Weimar in Gewahrsam genommen und erst am späten Vormittag wieder entlassen worden. Eine junge Frau erlitt in dieser Zeit Schnittwunden im Gesicht und an den Armen. Außerdem seien sie durch Schläge, Bedrohungen und Beleidigungen misshandelt und gedemütigt worden. Daraufhin hatten sie die Weimarer Beamten wegen Körperverletzung im Amt angezeigt.

Die Ermittlungen gegen die Beamten wurden jedoch nach wenigen Monaten eingestellt. Daraufhin wurden die Aktivisten selbst wegen falscher Verdächtigung und Vortäuschung einer Straftat angeklagt.  

Die Staatsanwaltschaft hatte die Einstellung des aktuellen Verfahrens beantragt, weil Zweifel bestanden, "ob nach Abschluss der Beweisaufnahme ein zweifelsfreier Tatnachweis geführt werden kann", erklärte Staatsanwalt Hannes Grüneisen.

Die Verteidigung will den Fall gegen die Polizeibeamten nun wieder aufrollen. Sie wirft den Beamten unter anderem Falschaussage vor Gericht, Körperverletzung im Amt und Freiheitsberaubung vor. Der Verteidigung zufolge hatten die Beamten konkrete Schulungen zur Vorbereitung auf die Verteidigerfragen erhalten. Darüber hinaus hätten die Polizisten sogar Einsicht in ihre eigenen Aussagen und die entscheidenden Beweismittel beim Thüringer Landeskriminalamt erhalten. 

Der innenpolitische Sprecher der Linken-Fraktion im Thüringer Landtag forderte eine Aufklärung darüber, ob und in welchem Umfang die Polizeibeamten in dem Gerichtsverfahren gezielt auf ihre Aussage vorbereitet und geschult wurden. Es werfe die Frage nach erfolgter Absprache der Zeugen und damit verbundener Zeugenbeeinflussung auf, sagte Steffen Dittes.