Deutsche Priester sind nach einer neuen Studie mit dem ihnen auferlegten Zölibat unzufrieden. Ein Drittel der Priester gab an, dass sich der Zölibat belastend auf ihren Dienst auswirkt. Ein Viertel würde sich, wäre ein Neustart möglich, nicht noch einmal für ein zölibatäres Leben entscheiden. Ein weiteres Viertel ist unentschlossen.

Dies ergab eine innerkirchliche Untersuchung der Wissenschaftler-Gruppe unter Leitung des Jesuiten Eckhard Frick. Die Studie basiert auf den Antworten von 8.600 Seelsorgern, 4.200 von ihnen arbeiteten als Priester. Als besonders belastend empfindet die Mehrheit der männlichen Geistlichen demnach den Verzicht auf Sexualität, Intimität und eigene Kinder.

Im Gegensatz zu Diakonen sowie Pastoral- und Gemeindereferenten leiden Priester offenbar stärker unter "emotionaler Einsamkeit" und Depressionen, weil ihnen eine dauerhafte Beziehung zu einem anderen Menschen fehle. Priester haderten auch häufiger mit ihrer Sexualität und in einigen Fällen mit der eigenen sexuellen Orientierung.

Laut den Studienautoren gibt es unter den Seelsorgern eine hohe Leistungsbereitschaft und Zufriedenheit, vergleichbar mit der von anderen Akademikern. Die gewachsenen Belastungen etwa durch Zusammenlegungen von Gemeinden in Pfarrverbänden seien nicht in erster Linie der Grund dafür, wenn es bei den Seelsorgern zu persönlichen Beschwerden komme.

Entscheidend für das spirituelle Wohlbefinden von Seelsorgern seien weniger religiöse Handlungen wie Eucharistie-Feier oder Gebet, sondern enge persönliche Bindungen. Seelsorger in den Gemeinden klagten über eine höhere Arbeitsbelastung als etwa ihre Kollegen in Krankenhäusern, Gefängnissen oder beim Militär.      

Projektleiter Frick sieht bei den Priestern eine "erstaunliche Offenheit", über ihre Probleme zu reden. Er erwartet nachhaltige Auswirkungen der Ergebnisse. "Wir beginnen einen Diskussionsprozess, der noch Jahre andauern wird", sagt der in München lehrende Jesuit. Mit den gesammelten Daten solle eine Debatte provoziert werden. "Solche Zahlen brauchen ja eine Deutung." Dieser Prozess müsse nun in der Kirche stattfinden.   

Während die deutsche Bischofskonferenz bei den Fragen der Sexualmoral auf den Vatikan verweisen kann, sind die Bischöfe bei Fragen der Arbeitsbelastung selbst gefordert.