Wie geht das WM-Gastgeberland Katar mit ausländischen Arbeitern um? Dieser Frage wollte ein Team der britischen BBC nachgehen. Laut einem Bericht des Senders sind während der Recherche der BBC-Korrespondent und ein Kamerateam festgenommen worden.

Die Crew sei in Katars Hauptstadt Doha auf dem Weg zu Gastarbeitern aus Nepal gewesen, als Männer in weißen Autos sie gestoppt, durchsucht und zum Polizeihauptquartier gebracht hätten, heißt es in einem BBC-Artikel. Dort seien sie von Mitarbeitern des Geheimdienstes verhört worden. Dabei hatte Katar die Journalisten eingeladen, um über neue Vorzeigeunterkünfte für Gastarbeiter zu berichten. Ausdrücklich war nach BBC-Angaben zugesichert worden, dass sie ihre Interviewpartner völlig frei wählen könnten.

Während der Befragungen bei der Polizei seien dem Reporter Fotos gezeigt worden, die belegten, dass er bereits seit Tagen überwacht werde. Sie seien aber nie unmittelbar einer Straftat beschuldigt worden. Vielmehr habe man sie immer wieder gefragt, wo sie gewesen seien und wen sie getroffen hätten.

Die BBC-Mitarbeiter mussten nach eigener Darstellung zwei Nächte im Gefängnis verbringen. Ihre Ausrüstung sei bislang nicht wieder aufgetaucht.

Die Regierung des Golfstaats verteidigte die Festnahme: Die BBC hätte an einer Tour für Pressevertreter wenige Tage später teilnehmen sollen, habe aber beschlossen, zuvor selbst Ortsbesuche zu machen. Dabei hätte die geplante Tour auch "einige der schlechtesten Arbeiterdörfer" beinhaltet: "Sie hätten – am hellichten Tag – die Camps besuchen können, in die sie in der Nacht einbrechen wollten", hieß es in einer Stellungnahme.

Erst Anfang Mai war ein Team der ARD in dem Emirat während Dreharbeiten festgenommen und laut Sender erst nach 14 Stunden wieder freigelassen worden. Die Journalisten mussten aber noch fünf Tage im Land bleiben. In der Dokumentation werden unter anderem die Arbeitsbedingungen auf Großbaustellen in dem Land angeprangert, in dem 2022 die Fußball-Weltmeisterschaft ausgetragen werden soll. Das Emirat hatte das Vorgehen der eigenen Sicherheitsbehörden mit Verweis auf eine fehlende Drehgenehmigung gerechtfertigt.  

Der Weltverband Fifa erklärte, jeder Hinweis auf eine Einschränkung der Pressefreiheit werde mit "der nötigen Ernsthaftigkeit" geprüft. "Wir versuchen, von den katarischen Behörden Klarheit über die Situation zu erlangen."