Das bei Wanderern beliebte Langtang-Tal in Nepal ist komplett evakuiert worden. "Es gab dort neue Erdrutsche und Lawinen, deswegen konnten wir die Menschen dort nicht mehr bleiben lassen", sagte Polizeisprecher Prawin Poudel aus dem Distrikt Rasuwa. Die letzten 65 Bewohner seien am Vortag ausgeflogen worden. Das Dorf Langtang war nach dem gewaltigen Erdbeben vom 25. April vollständig verschüttet worden. Dabei kamen auch zahlreiche Trekking-Touristen ums Leben. Nach den Regionen rund um Mount Everest und Annapurna war das Langtang-Tal die drittbeliebteste Wanderregion Nepals.

Die Bevölkerung ist unzufrieden mit den Hilfsmaßnahmen der Regierung. In der Kleinstadt Charikot forderten Tausende Menschen bessere Unterstützung. Zwar wurden gelegentlich Lebensmittel verteilt, aber genügend Nachschub für all die aus den umliegenden Dörfern ankommenden Menschen gab es nicht.

Auch die Hilfsorganisation Caritas International musste nach dem Erdbeben vom Dienstag ihr Büro in der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu räumen. Dort seien Risse aufgetreten, sagte Caritas-Regionalkoordinator Albert Große-Hokamp dem Sender SWRinfo. Durch das neue Beben seien zudem Kommunikationsnetze zerstört worden. Nun sei die Bevölkerung in ihren Aufbauarbeiten um Wochen zurückgeworfen, betonte der Entwicklungshelfer.

Nepal war vor knapp drei Wochen von einem Erdbeben der Stärke 7,8 überrascht worden. 8.150 Menschen starben, ganze Dörfer wurden zerstört, Hunderttausende wurden obdachlos. Am Dienstag folgte dann ein Beben der Stärke 7,3 auf der Richter-Skala. Dabei starben mindestens 114 Menschen, die Zahl der Verletzten stieg auf mehr als 2.700.

Charikot, ein Ort mit 10.000 Einwohnern, ist derzeit das Verwaltungszentrum für die Gegend, die am schlimmsten vom zweiten Erdbeben betroffen war. Aus den umliegenden Dörfern strömten zahlreiche Menschen hierher. Die nepalesische Armee hatte ein kleines Zentrum für die Verteilung von Hilfe eingerichtet, allerdings waren die Lieferungen begrenzt und das Zentrum war selten geöffnet. Deswegen warteten die Menschen vor geschlossenen Toren.

Fünf deutsche Tote identifiziert

Ministerpräsident Sushil Koirala sagte, dass die Regierung nach dem ersten Beben nicht auf ein weiteres großes vorbereitet gewesen sei. Die bevorstehende Monsunsaison sei für das Land sehr bedrohlich, insbesondere, da Hunderttausende Menschen obdachlos geworden seien. "Wir benötigen Zelte. Wir brauchen Schutz. Wenn die Monsunsaison beginnt, wird es für die Menschen schwierig, im Freien zu überleben."  

Das Deutsche Rote Kreuz will am Wochenende weitere 40 Tonnen Hilfsgüter in die Himalaya-Region schicken. Eine Maschine aus Dubai soll am Samstag Zeltplanen, Wasserkanister und Nothilfesets bringen. Am selben Tag soll aus Berlin ein Flugzeug mit weiteren Planen, Großraumzelten und Sets für Notunterkünfte starten.

In Nepal nahm die örtliche Luftwaffe die Suche nach einem seit Dienstag vermissten Hubschrauber der US-Marine wieder auf. Die sechs Marineinfanteristen und zwei nepalesischen Soldaten sollten Hilfslieferungen in den Nordosten des Landes bringen.

Weiterhin werden im Himalaya auch mehrere Deutsche vermisst. Fünf deutsche Todesopfer wurden bisher identifiziert, wie ein Sprecher des Auswärtigen Amtes mitteilte.