Eine Woche nach dem folgeschweren Erdbeben in Nepal mit mehr als 7.000 Toten gibt es noch immer Probleme bei der Katastrophenhilfe. Nach wie vor herrscht eine Diskrepanz zwischen internationaler Hilfsbereitschaft und der Organisation vor Ort. So verzögere der Zoll am einzigen internationalen Flughafen in der Hauptstadt Kathmandu die Verteilung von Hilfsgütern, kritisierte der Vertreter der Vereinten Nationen, Jamie McGoldrick. Außerdem musste die einzige Start- und Landebahn für große Militär- und Frachtmaschinen am Flughafen von Kathmandu am Sonntag geschlossen werden. Die Bahn sei nur für mittelgroße Jets gebaut, sagte Flughafenmanager Birendra Shrestha. Offenbar hätten große Maschinen mit Hilfslieferungen an Bord Löcher in der Landebahn verursacht. Nepal bat die Spender, kleinere Maschinen zu nutzen. 

Mehr Hubschrauber wären eine große Hilfe für die abgelegenen Orte in Nepal. An vielen Stellen seien die Hänge jedoch zu steil, um mit dem Hubschrauber zu landen. Die Nothilfekoordinatorin der UN, Valerie Amos, sagte, dass die Vereinten Nationen angesichts der blockierten Straßen und der Dörfer ohne Straßenanbindungen vor einer immensen logistischen Aufgabe stünden. Sie sei besorgt, dass es zu lange dauere, den Menschen Hilfe zu bringen. 

Internationale Hilfsorganisationen vor Ort, aber auch betroffene Menschen in Nepal kritisieren die Regierung für zu langsame und chaotische Organisation nach der Katastrophe. Auch würden Hilfsgüter vorwiegend an Verwandte der Beamten und Mitglieder und Günstlinge der regierenden Parteien ausgeliefert.

Auch in Bezug auf Nahrungsmittel die richtige Hilfe anzubieten, sei ein Problem. Finanzminister Ram Sharan Mahat kritisierte, es würden oft die falschen Lebensmittel nach Nepal geschickt. Laut einem Manager des Unternehmens Nepal Food hätten Hubschrauber Instant-Nudeln und Kekse über den entlegenen Bergregionen abgeworfen. Es würden dort jedoch Reis und andere Nahrungsmittel benötigt, um richtige Mahlzeiten zu kochen.

Zelte vor Regenzeit dringend benötigt

Nach Angaben der Vereinten Nationen werden mindestens zwei Millionen Zelte, Wasser, Nahrungsmittel und Medikamente benötigt. Auch Werkzeuge zur Reparatur von Unterkünften wären eine Hilfe. Laut Hilfsorganisationen vor Ort brächten Helikopter nur Essen, aber nichts zum Bau von Unterkünften. In den am schwersten betroffenen Distrikten Gorkha und Sindupalchowk seien bis zu 90 Prozent der Häuser, die meist aus Lehm und Steinen bestehen, zerstört worden. Nach UN-Angaben stürzten bei dem Erdbeben mehr als 130.000 Häuser ein. Viele der Erdbeben-Opfer müssen weiter unter freiem Himmel schlafen. Die Zeit für die Hilfslieferungen drängt. In wenigen Wochen beginnt die Regenzeit in Nepal.

Dem UN-Büro für Katastrophenhilfe zufolge ist es nach wie vor schwierig, zu den Hilfsbedürftigen in die entlegenen Gebiete Nepals zu kommen. Und das Wetter erschwert bereits jetzt die Hilfe. In einer entlegenen Bergregion sind am Samstag 50 Leichen entdeckt worden – 200 Menschen werden dort noch vermisst. Darunter seien auch ausländische Bergsteiger, die noch nicht identifiziert wurden. Starker Regen hindert Rettungskräfte und Helfer derzeit jedoch daran, in das Gebiet vorzudringen.  

Die ersten deutschen Rettungsteams sind bereits auf dem Weg zurück aus Nepal. Aus den USA werden dagegen am heutigen Sonntag mehrere Militärflugzeuge, darunter zwei Hubschrauber, in Nepal erwartet. Sie sollen dabei helfen, Hilfsgüter auch in die schwer erreichbaren Regionen zu bringen. Die Chance, noch Überlebende in den Trümmern zu finden, sei sehr gering, sagte ein Sprecher des Innenministeriums in Nepal. Aber offenbar nicht ausgeschlossen: Wie nepalesische Polizisten am Sonntagmorgen verkündeten, sind acht Tage nach dem Unglück mehrere Menschen lebend aus Trümmern geborgen worden. Zwei Frauen und ein Mann seien im Dorf Kerabari im Distrikt Sindhupalchowk verschüttet gewesen, sagte der örtliche Polizist Ram Bahadur Nepali. Im Norden Nepals konnte ebenfalls ein Mann gerettet werden. Laut Behörden soll der Mann, der aus den Überresten seines Lehmhauses ausgegraben wurde, etwa 100 Jahre alt sein. Die nepalesischen Sicherheitskräfte und Rettungstrupps aus aller Welt hätten in den vergangenen Tagen etwa 800 Menschen ausgegraben.

Mehr als 14.000 Menschen wurden bei dem Beben der Stärke 7,9 verletzt. Tausende gelten als vermisst – darunter rund 1.000 Europäer. Es wird damit gerechnet, dass die Zahl der Toten weiter steigt. Gesundheitsexperten befürchten nun den Ausbruch von Seuchen.

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Hilfsorganisationen rufen dringend zu Spenden für Nepal auf. An folgende Konten können Sie überweisen:

Aktion Deutschland Hilft: Spendenkonto 102030 bei der Bank für Sozialwirtschaft Köln, Bankleitzahl 37020500, IBAN DE62370205000000102030
Caritas
: Spendenkonto 202 bei der Bank für Sozialwirtschaft Karlsruhe, Bankleitzahl 66020500, IBAN DE88660205000202020202
Diakonie Katastrophenhilfe
: Spendenkonto 502502, Evangelische Bank, Bankleitzahl 52060410, IBAN DE68520604100000502502
Save the Children
: Spendenkonto 929 bei der Bank für Sozialwirtschaft, Bankleitzahl 10020500, IBAN DE92100205000003292912. BIC BFSWDE33BER, Stichwort: Soforthilfe Nepal