Die Polizei hat in den USA laut einer Erhebung der Washington Post in den ersten fünf Monaten des Jahres 385 Menschen erschossen. Acht von ihnen waren demnach unter 18 Jahren alt. Nur in drei Fällen mussten sich Beamte hinterher wegen einer Straftat verantworten, schreibt die Zeitung.

Im Schnitt bedeutet dies, dass 2,6 Personen pro Tag durch Schüsse von Polizisten getötet wurden. Der Erhebung zufolge gehörte die Hälfte der Opfer einer Minderheit an. Umgerechnet auf die gesellschaftliche Struktur an den Tatorten seien Afroamerikaner aber drei Mal so häufig getötet worden wie Angehörige anderer Minderheiten oder Weiße. 

Außerdem seien Minderheiten besonders häufig Opfer in Fällen, in denen die Polizei tödliche Gewalt anwendete, obwohl die Personen unbewaffnet waren: Zwei Drittel dieser Opfer waren afroamerikanischer oder hispanischer Abstammung. Viele von ihnen seien nicht nur unbewaffnet gewesen, sondern auch auf der Flucht vor der Polizei erschossen worden.

Viele Opfer waren geistig krank

Eine Gemeinsamkeit vieler Opfer ist laut Washington Post, dass sie aus einem sozial schwachen Umfeld stammen. Viele hätten bereits häufiger Kontakt mit den Justizbehörden gehabt. Meistens habe es sich um kleine Delikte gehandelt.

Die Recherchen zeigen auch, unter welchen Umständen es zu tödlichen Schüssen kommt: In gut der Hälfte der Fälle seien die Beamten von Anwohnern wegen Hausfriedensbruchs gerufen worden. Bei 92 Opfern habe sich hinterher herausgestellt, dass sie geistig krank waren.

Im Vergleich mit den aktuellen Zahlen des FBI bedeutet das Ergebnis der Recherchen einen drastischen Anstieg der Todesfälle. In den Statistiken der Bundespolizei tauchen für das vergangene Jahr insgesamt 400 tödliche Schießereien mit Polizeibeteiligung auf, was einen Durchschnitt von 1,1 Todesopfern pro Tag bedeutet. Diese offiziellen Zahlen werden allerdings immer wieder als unvollständig kritisiert, weil die Meldung der Zwischenfälle von den lokalen Behörden an die Bundespolizei freiwillig ist.