Auf dem Segelschulschiff Gorch Fock in Flensburg haben vier Pazifisten gegen den Tag der Bundeswehr protestiert. Sie kletterten als Piraten kostümiert in die Takelage und hängten in 20 Metern Höhe ein Transparent mit der Aufschrift "War starts here" (Krieg beginnt hier) auf. Außerdem hissten sie an einem Mast eine Piratenflagge, die einen Totenkopf mit zerbrochenen Gewehren zeigte. Soldaten nahmen Banner und Flagge nach 20 Minuten ab. Die vier Aktivisten konnten das Schiff ohne Eingreifen der Polizei verlassen.

Auf dem Gelände der Marineschule hielten parallel zu der Kletteraktion weitere Aktivisten ein Banner mit der Aufschrift "Let's stop it here" empor. Damit reihte sich die Aktion in eine europaweite Kampagne ein, War starts here. Die Demonstranten forderten: "Krieg beginnt hier, bei der Werbung, Rekrutierung und Ausbildung – lasst ihn uns hier aufhalten!"

"Die Bundeswehr präsentiert sich hier als moderater Arbeitgeber", kritisierten die Aktivisten laut dem Portal linksunten-indymedia. "Dabei wird vollkommen verschwiegen, dass die Soldaten eigentlich zum Töten ausgebildet und eingesetzt werden." Sie wandten sich auch gegen Werbemaßnahmen der Bundeswehr an Schulen und Universitäten: "Mit immer mehr Feierlichkeiten und Veranstaltungen dringt die Bundeswehr dreist in den öffentlichen Raum, um Menschen zum Dienst an der Waffe zu rekrutieren und somit das Aussetzen der Wehrpflicht zu kompensieren."

Zum 60-jährigen Bestehen der Bundeswehr gab es an 15 Standorten von Flensburg bis Bischofswiesen erstmals einen sogenannten Tag der Bundeswehr, bei dem sich die Truppe präsentierte und um Nachwuchs warb.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen dankte der Bundeswehr für den Einsatz in aller Welt. "Die Bundeswehr braucht den Rückhalt der Gesellschaft in einer Zeit, in der von ihr viel verlangt wird", sagte die CDU-Politikerin beim Besuch der Feldjäger in Hannover. "Frieden, Freiheit und Sicherheit sind keine Selbstverständlichkeit" – dafür setzten die Soldaten sich seit Jahren an vielfältigen Krisenorten ein.

"Auf diese Truppe können wir uns felsenfest verlassen", sagte von der Leyen. "Wir erleben einen erfreulichen Anstieg bei den Bewerberzahlen für den freiwilligen Dienst." Jede vierte Bewerbung komme inzwischen von einer Frau.

Derzeit sind 10.800 der rund 180.000 Bundeswehrsoldaten Freiwillige. Im vergangenen Jahr erreichte die Zahl der Neuverpflichtungen mit 10.230 einen Höchststand. Allerdings lag auch die Abbrecherquote mit 28,6 Prozent höher als in den drei Jahren davor.