Die Staatsanwaltschaft Göttingen hat die Ermittlungen gegen den Celler Generalstaatsanwalt Frank Lüttig wegen Verdachts auf Geheimnisverrat eingestellt. Lüttig war vorgeworfen worden, vertrauliche Informationen aus den Ermittlungsverfahren gegen Ex-Bundespräsident Christian Wulff und den SPD-Politiker Sebastian Edathy an Medien weitergegeben zu haben. 

Niedersachsens Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz (Grüne) hatte den Justizausschuss des Landtags zuvor über die Entscheidung informiert. 

Die Justizministerin hatte im Februar öffentlich im Landtag über den Beginn der Ermittlungen informiert und Lüttig dabei namentlich genannt. Anlass des Verfahrens war, dass Medien in einem bisher wenig gekannten Maß über die Vorwürfe gegen Wulff informiert waren. Bei Edathy fiel insbesondere auf, dass der Termin der Hausdurchsuchung einer Lokalzeitung bekannt war, die dann in Wort und Bild ausführlich darüber berichtete.  

Aus Sicht der Oppositionsparteien CDU und FDP muss Niewisch-Lennartz nun zurücktreten. Die Justizministerin sei politisch nicht mehr tragbar, sagte CDU-Fraktionschef Björn Thümler am Sonntag. Der FPD-Rechtspolitiker Stefan Birkner sagte, die Justizministerin habe möglicherweise "politisch motiviert" gehandelt. Eine Justizministerin, die "aus politischem Kalkül einen erheblichen Schaden für die Justiz und den Beschuldigten in Kauf nimmt", sei auf ihrem Posten nicht mehr tragbar, sagte Birkner.