Die US-Verfassung garantiert landesweit das Recht auf gleichgeschlechtliche Eheschließung. Das stellten die Richter des Supreme Court, des obersten Gerichtshofs der USA, in einem Urteil fest. Die bislang bestehenden Verbote in 14 Bundesstaaten müssen damit aufgehoben werden. Gleichgeschlechtliche Paare durften bisher in 36 Staaten sowie im Hauptstadtbezirk Washington heiraten. Das hatten Gerichte in den einzelnen Staaten entschieden, eine landesweite Regelung gab es bisher nicht.  

Präsident Barack Obama bezeichnete das Urteil als Sieg für die USA und großen Schritt auf dem Weg zur Gleichberechtigung von Schwulen und Lesben. "Schwule und lesbische Paare haben nun das Recht, zu heiraten, wie alle andere auch", twitterte er unter dem Hashtag #LoveWins. Bei seiner Wahl im Jahr 2008 hatte er sich noch gegen die Homo-Ehe ausgesprochen, hatte seine Meinung vor seiner Wiederwahl im Jahr 2012 allerdings geändert.

"Die heutige Entscheidung bestätigt, was Millionen quer durchs Land bereits tief in ihren Herzen wissen. Unsere Liebe ist gleich", sagte Hauptkläger Jim Obergefell. Er hatte sich durch die Instanzen gekämpft, um als Witwer seines im Alter von 21 Jahren gestorbenen Partners John Arthur anerkannt zu werden. Obama gratulierte Obergefell telefonisch zu seinem Erfolg.

Vor dem Gerichtsgebäude in Washington versammelten sich Hunderte Befürworter der Homo-Ehe. Kurz nach der Entscheidung fielen sie sich jubelnd in die Arme, feierten die Entscheidung und sangen die amerikanische Nationalhymne.

Das Thema spaltet die Amerikaner seit Jahren. Schon zum Auftakt der Verhandlungen Ende April hatten sich die Richter uneins gezeigt. Jüngsten Umfragen zufolge zählt sich die Mehrheit der Bevölkerung aber mittlerweile zu den Befürwortern: 57 Prozent der Amerikaner würden eine Entscheidung des Supreme Court zur Legalisierung der Homo-Ehe laut einer Umfrage des Wall Street Journal und des NBC begrüßen. 37 Prozent sprachen sich zuletzt dagegen aus. Vor allem in den letzten zehn Jahren hat sich die Stimmung innerhalb des Landes zugunsten der Homo-Ehe gewandelt.

Das Eherecht in den USA ist den einzelnen Bundesstaaten vorbehalten. Allerdings ist es Interpretationssache, ob die Verfassung es den einzelnen Staaten überlässt zu entscheiden, was unter einer Ehe zu verstehen ist. 2013 hatte das Bericht bereits die Ungleichbehandlung von verheirateten Schwulen oder Lesben auf Bundesebene beendet. Ihnen müssten die gleichen staatlichen Vorteile gewährt werden wie Partnern in traditionellen Ehen, hieß es damals.