Til Schweiger hat unterschrieben und Thomas Hitzlsperger auch, genauso wie die Politikerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, der Regisseur Tom Tykwer oder die Autorin Helene Hegemann: Mehr als 150 Prominente aus Politik, Kultur, Sport und Wirtschaft haben sich in einem offenen Brief an Kanzlerin Angela Merkel gewandt. Sie fordern: Öffnen Sie die Ehe auch für gleichgeschlechtliche Paare.

Am Montag haben die Organisatoren des Aufrufs, Vincent-Immanuel Herr und Martin Speer, den Brief am Kanzleramt abgegeben. Sie engagieren sich seit Jahren für eine Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare. Schon 2013 hatten sie sich in einem offenen Brief an Merkel gewandt.

In Deutschland und weiteren Ländern wie Australien hatte das irische Referendum pro gleichgeschlechtliche Ehe für eine Neuauflage der Debatte gesorgt. In dem Brief an Merkel heißt es: "Wir sind überzeugt, die Frage der Eheschließungsfreiheit für gleichgeschlechtliche Paare ist schon lange in den Herzen und Köpfen der meisten Menschen in unserem Land beantwortet: Sie wollen die Gleichstellung. Und so laden wir Sie ein, das Mindeste zu tun: Lassen Sie eine freie Abstimmung zur Öffnung der Ehe im Bundestag ohne Fraktionszwang zu. Denn es geht um eine Gewissens- und keine Parteientscheidung."

Justizminister Maas stellt Homo-Ehe "light" in Aussicht

Die Resonanz für ihre Initiative überraschte die Organisatoren Herr und  Speer. "Wir haben bereits vorher mit solider Zustimmung gerechnet. Doch die Stärke und Kontinuität der Zustimmung, die uns begegnet ist, war beeindruckend." Es sei ihnen wichtig gewesen, ein breites Spektrum abzubilden, das zeige, wie groß die Zustimmung für das Thema gleichgeschlechtliche Ehe sei, egal ob man einen FDP-Politiker oder eine Wissenschaftlerin, einen Schauspieler oder eine Sportlerin frage. Innerhalb von fünf Tagen waren mehr als 150 Unterschriften zusammengekommen. Auch eine Onlinepetition gibt es zu dem Thema mittlerweile.

Die Gesetzgebung unterscheidet in Deutschland zwischen eingetragener Partnerschaft für gleichgeschlechtliche Paare und Ehe. Gleichgeschlechtliche Paare sind in mehreren Bereichen wie zum Beispiel dem Adoptionsrecht benachteiligt. Eine volle Gleichstellung sei mit dem Koalitionspartner CDU nicht durchzusetzen, sagte Justizminister Heiko Maas (SPD).

Die Unterzeichner des offenen Briefes wollen sich damit nicht abfinden und fordern Kanzlerin Merkel auf: "Es ist Zeit. Unser Land verlangt und verdient dies."