Indonesien verlangt von Australien eine Erklärung zu Berichten, wonach Grenzbeamte Schlepper bezahlt haben sollen, sodass sie mit ihrem Boot mit 65 Flüchtlingen nach Indonesien zurückkehrten. Außenministerin Retno Marsudi sagte, Indonesien wäre sehr beunruhigt, sollten sich die Berichte bestätigten.

Australiens Premierminister Tony Abbott hatte es abgelehnt, den Vorwurf der Bezahlung von Schleppern zu dementieren. "Die australische Regierung wird tun, was immer notwendig ist, um diesen bösen Handel zu stoppen", sagte Abbott, "dafür haben uns die Australier gewählt." Er lobte die australischen Grenzbeamten als "unglaublich kreativ".

Ein Sprecher des indonesischen Innenministeriums kritisierte Abbotts Stellungnahme laut The Jakarta Post als "sehr unmoralisch". Sie könne als Billigung von Bestechung aufgefasst werden und zum Schmuggel ermutigen. Ein Sprecher des Außenministeriums kritisierte dem Guardian zufolge einen "neuen Tiefpunkt" im australischen Umgang mit der ungeregelten Einwanderung: Die Regierung von Abbott befinde sich mit ihrer Abschiebepolitik auf einer abschüssigen Bahn. Die australische Opposition warf dem Premierminister vor, er schaffe eine Belohnung für Menschenhändler.

Die indonesische Polizei hatte berichtet, der Kapitän eines Flüchtlingsbootes und fünf Besatzungsmitglieder hätten 30.000 US-Dollar von einem australischen Grenzschutzmitarbeiter erhalten, damit sie die Flüchtlinge aus Bangladesch, Myanmar und Sri Lanka nach Indonesien zurückbringen. Viele Migranten aus den armen Nachbarländern nutzen den Inselstaat als Durchgangsstation bei ihrem Versuch nach Australien zu gelangen.

Flüchtlinge hatten die Vorwürfe erhoben, nachdem sie Ende Mai von der Besatzung des Bootes im Osten Indonesiens an Land gesetzt worden waren. Zuvor waren sie auf dem Weg nach Neuseeland von der australischen Marine abgefangen und zur Umkehr gezwungen worden.

Abbotts konservative Regierung verfolgt seit ihrem Amtsantritt im September 2013 trotz internationaler Kritik eine sehr restriktive Einwanderungspolitik. Sie lehnt es ab, Flüchtlinge in Australien aufzunehmen und bringt Asylbewerber in zwei Aufnahmelager in Papua Neuguinea und Nauru.

BBC-Reporter, die als Touristen getarnt auf Manus Island recherchierten, nannten die australischen Lager das "Guantánamo des Pazifiks"

Selbst wenn ihre Asylanträge anerkannt werden, müssen die Flüchtlinge dort bleiben. Die Marine zwingt regelmäßig Flüchtlingsboote aus Indonesien zur Umkehr. Seit Dezember 2013 traf nur ein Flüchtlingsboot in Australien ein.