Der Rohbau einer geplanten Flüchtlingsunterkunft in Lübeck ist in Brand geraten. Die Polizei geht nach ersten Erkenntnissen von Brandstiftung aus, einen fremdenfeindlichen Hintergrund schließen die Ermittler nicht aus. Eine Anwohnerin hatte am frühen Montagmorgen Feuer in dem Rohbau im Stadtteil Kücknitz bemerkt und die Feuerwehr gerufen. Es sei niemand verletzt worden, auch der entstandene Sachschaden sei mit schätzungsweise 1.000 Euro gering, teilte die Polizei mit. Beamte eines Staatsschutzkommissariats übernahmen die Ermittlungen.

Auf dem Bauschild des Rohbaus sollen Schmierereien entdeckt worden sein, die vorher nicht da waren und auf einen politischen Hintergrund hindeuten könnten, berichten die Lübecker Nachrichten. Die geplante Unterkunft soll 120 Asylbewerber aufnehmen.

Brandanschläge auf noch unbewohnte künftige Flüchtlingsheime hatte es in den vergangenen Monaten mehrfach gegeben. Erst am Wochenende hatten im sächsischen Meißen Unbekannte in einer noch unbewohnten Asylbewerberunterkunft Feuer gelegt. Seit Tagen macht Sachsen Schlagzeilen, weil im etwa 30 Kilometer entfernten Freital allabendlich einige Dutzend Menschen auch mit rassistischen Parolen gegen ein Flüchtlingsheim protestieren.

Auch in Meißen schließt die Polizei ein fremdenfeindliches Motiv nicht aus, wie eine Sprecherin sagte. Die Täter hätten sich in der Nacht zum Sonntag gewaltsam Zugang verschafft und mithilfe eines Brandbeschleunigers Feuer gelegt. Zudem beschäftigt sich die Polizei mit zwei Schreiben gegen Asylbewerber, eines davon war bereits länger vor dem Brand an die Tür der geplanten Flüchtlingsunterkunft geheftet worden. Darauf wurden die Flüchtlinge aufgefordert, das Land so schnell wie möglich wieder zu verlassen. Die Polizei sieht darin aber keinen schriftlichen Hinweis auf einen bevorstehenden Anschlag. "Der Inhalt des Schreibens lässt explizit nicht auf eine Bedrohung gegen die Unterkunft schließen", hieß es.

Die Migrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz, bezeichnete den Brandanschlag als eine Schande. "Aus dieser Tat spricht der pure Hass einer kriminellen Minderheit." Verantwortung trügen aber auch die geistigen Brandstifter, die im Internet gegen Asylbewerber hetzten und zu den Protesten gegen Flüchtlingsheime aufriefen.

Freital - "Natürlich hat das etwas mit Rassismus zu tun" Im Juni 2015 protestieren im sächsischen Freital Gegner des Asylbewerberheims lautstark und teilweise gewaltsam. Befürworter demonstrieren ebenfalls. Polizisten trennen die Seiten. Doch wie soll das weitergehen?