In einem kurz vor der Eröffnung stehenden Flüchtlingsheim in Sachsen hat es in der Nacht zum Sonntag gebrannt. Die Polizei bestätigte auf Anfrage von MDR Sachsen, dass das Feuer kurz nach Mitternacht in dem Gebäude an der Rauhentalstraße ausbrach. Bei der Ankunft der Feuerwehr brannte es in einem Raum in der ersten Etage. Die Feuerwehr konnte den Brand zügig löschen. Dennoch brannte das Zimmer vollständig aus.

Am Vorabend hatten sich etwa zwei Dutzend Neonazis in der Stadt an der Elbe getroffen. Sie versammelten sich zu einer Demonstration auf einer Eisenbahnbrücke, um gegen eine angebliche Gefährdung durch steigende Ausländerkriminalität zu protestieren. Die Aktion wurde von der unter dem Einfluss von Rechtsextremisten stehenden Organisation "Initiative Heimatschutz" gestartet.

Die Demonstranten hängten an der Brücke ein großes Transparent auf: "Schweigen heißt zustimmen. Es ist unser Land!!!" Auf der Facebook-Seite der "Initiative Heimatschutz" hieß es dazu: "Sooooo.... damit ihr nicht denkt, in Meißen passiert nix. Weit gefehlt." Die Initiative macht seit Monaten im Landkreis Stimmung gegen Flüchtlinge.

Direkt erwähnt wird das neue Flüchtlingsheim in der Rauhentalstraße in dem Demonstrationsaufruf der Anti-Asyl-Initiative nicht. Anhänger der "Initiative Heimatschutz", die den Anti-Asyl-Protest auf der Eisenbahnbrücke verpasst haben, werden allerdings beruhigt: "Keine Sorge, es ist nicht das letzte Mal."

Auf der Rauhentalstraße sollten nach Planungen des Landkreises Meißen 32 Asylbewerber untergebracht werden. Auch weitere Teile des Gebäudes in Meißen wurden in Mitleidenschaft gezogen, wie die Polizei weiter mitteilte. Ob das Haus noch bewohnbar ist, konnte zunächst nicht geklärt werden. Die Polizei hat ihre Ermittlungen zur Brandursache aufgenommen. Von einer Brandstiftung wollte sie laut MDR zunächst nicht sprechen.

"Rassistische Hetze in Meißen"

Martin Oehmichen, Kreisrat der Grünen in Meißen, äußerte sich "entsetzt und schockiert". Er sagte dem Tagesspiegel: "Ich erwarte eine schnelle Klärung der Brandursache durch die Polizei. Sollte sich die Vermutung einer vorsätzlichen Brandstiftung aus rassistischen Motiven bestätigen, hoffe ich, dass der oder die Täter schnell zur Verantwortung gezogen werden."

Rassistisch motivierter Hass, das Schüren von Angst vor Flüchtlingen und die pauschale Diskriminierung aller Gläubigen einzelner Religionen nähmen auch im Kreis Meißen beängstigende Formen an, sagte der Grünen-Politiker weiter. "Wenn man Kommentare in den sozialen Netzwerken wie beispielsweise Facebook liest, bekommt man einen Eindruck davon, warum sich im Kreis Meißen viele Menschen aufgrund von dem gelebten offenen Rassismus nicht mehr ohne Angst vor die Türe trauen."

Zur Facebook-Seite "Initiative Heimatschutz" erklärte Oehmichen, dort werde "vollkommen widerspruchslos diskriminiert, beleidigt, menschenfeindlich gehetzt und offen zur Gewalt aufgerufen". Und: "Sollte sich der Verdacht weiter erhärten, dass in einem solchen Klima auch ein Brandanschlag gegen eine geplante Unterkunft für asylsuchende Menschen stattfand, wäre dies ein schrecklicher Höhepunkt der rassistischen Hetze, die in Meißen in den vergangenen Monaten stattfand."

Meißen liegt nicht weit von Freital, wo es seit knapp einer Woche Auseinandersetzungen um eine neue Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber gibt.

Freital - "Natürlich hat das etwas mit Rassismus zu tun" Im Juni 2015 protestieren im sächsischen Freital Gegner des Asylbewerberheims lautstark und teilweise gewaltsam. Befürworter demonstrieren ebenfalls. Polizisten trennen die Seiten. Doch wie soll das weitergehen?