Einen besseren Termin hätte sich der Oberste Gerichtshof der USA kaum aussuchen können, um seine Entscheidung bekannt zu geben, die Homo-Ehe im ganzen Land zu legalisieren. Genau 46 Jahre ist es her, dass Schwule am Stonewall Place in New York erstmals für ihre Rechte auf die Straße gingen. Das Jubiläum sollte in New York ohnehin drei Tage lang gefeiert werden. Nun wird das Fest auf den Straßen der Stadt und in anderen amerikanischen Städten ein Freudenfest werden, wie es das Land noch nicht erlebt hat.

Die Entscheidung des Gerichtshofs ist der größte Triumph in der Geschichte der amerikanischen Bewegung zur Gleichstellung Homosexueller. "Es ist einer der großen Meilensteine in der amerikanischen Rechtsgeschichte", sagte der Rechtsexperte des TV-Senders CNN, Jeff Toobin. Ein Sprecher der Bürgerrechtsorganisation American Civil Liberties Union, James Esseks, sagte: "Das Urteil heute ist das Ergebnis eines jahrzehntelangen Kampfes gegen schädliche Vorurteile, ungerechte Gesetze und ungleiche Behandlung."

Das oberste Bundesgericht hat entschieden, dass US-Staaten die Homo-Ehe, die seit einer Entscheidung im Jahr 2013 auf Bundesebene erlaubt ist, nicht mehr untersagen dürfen. Die 14 Staaten, die bislang noch immer die gleichgeschlechtliche Ehe nicht anerkennen, sind nun dazu gezwungen, ihre Verbote aufzuheben.

Drei Paare hatten geklagt

Die anhängige Klage vor dem Gericht kam von Jim Obergefell aus Ohio. Obergefell hatte 2013 seinen schwer erkrankten Partner John Arthur kurz vor dessen Tod geheiratet. Das Paar musste dazu von seinem Heimatstaat Ohio, wo die Homo-Ehe verboten ist, nach Maryland reisen. Nach dem Tod von Arthur weigerten sich jedoch die Behörden in Ohio, Arthur als Ehepartner in die Todesurkunde einzutragen.

Der Klage schlossen sich zwei weitere Paare an. April De Boer und Jayne Rowse aus Michigan kämpften darum, die Pflegekinder adoptieren zu dürfen, die sie groß zogen, um das volle Sorgerecht zu erhalten. Ijpe Dekoe und Thomas Kostira hatten in New York geheiratet und wollten ihre Ehe an ihrem neuen Wohnsitz in Tennessee anerkannt bekommen.

Umsetzung des Urteils kann noch dauern

Bis alle Standesämter in den 50 Staaten der USA gleichgeschlechtliche Paare trauen müssen, kann es jedoch noch dauern. Nur die Staaten, die unmittelbar in die Klage verwickelt waren, müssen das Urteil sofort umsetzen. In zehn Staaten müssen erst noch Gerichtsurteile gesprochen werden. Es ist nach dem Grundsatzurteil des obersten Gerichtshofs eine reine Formalität. Aber es gibt Staaten wie Texas, Nebraska oder Georgia noch reichlich Gelegenheit, die volle Legalisierung hinauszuzögern.