Durch ein Unwetter in Georgiens Hauptstadt Tbilissi sind mindestens zwölf Menschen ums Leben gekommen, 24 werden vermisst. Dutzende Raubtiere sind aus dem zerstörten Zoo auf die Straßen gelangt. Sicherheitskräfte mit Spezialgewehren machten Jagd auf Bären, Tiger und Löwen. Sie erlegten mehrere Tiere, andere wurden eingefangen. Infolge der Überschwemmungen waren die Raubtiere aus ihren Gehegen entkommen, teilte die Stadtverwaltung mit. Die 1,2 Millionen Einwohner von Tbilissi sollten deshalb in ihren Wohnungen bleiben.

Ein TV-Sender zeigte ein Nilpferd, das auf dem überschwemmten Heldenplatz unterhalb des Zoos herumlief. Es stapfte durch den Schlamm vorbei an Autos, die teils bis zum Heck in einer Lawine aus Schutt und Erde steckten. Mehrere Männer trieben das Nilpferd wieder in Richtung Zoo. Es wurde zuvor mit einem gezielten Schuss betäubt.

In der ersten Etage eines Wohnhauses spähte ein Bär vom Fenstersims in ein Apartment, wie auf einem Foto zu sehen war. Spezialkräfte erschossen bei einem Kinderkrankenhaus sechs Wölfe. Im Internet veröffentlichte Fotos zeigten ein Krokodil, das neben geparkten Autos lief.

Laut einer Sprecherin des Zoos wurden große Teile des Tierparks in einen "höllischen Whirlpool" verwandelt, als der kleine Vere-Fluss, der durch den Zoo in die größere Kura fließt, nach stundenlangem Regen das Gelände und angrenzende Straßen überflutete. "Etwa 20 Wölfe, acht Löwen, weiße Tiger, Schakale, Tiger und Jaguare wurden von Spezialkräften erschossen oder werden noch vermisst", sagte die Zoo-Sprecherin. "Nur drei unserer 17 Pinguine wurden gerettet."

Auf dem Gelände des Zoos seien drei Tote gefunden worden, darunter zwei Angestellte. Es ist unklar, ob die Opfer durch das Unwetter starben oder von den ausgebrochenen Raubtieren getötet wurden.

Durch die Fluten wurden Straßen in tosende Bäche verwandelt, die Autos wegschwemmten und Häuser fluteten. Dutzende Familien verloren ihr Zuhause, bei tausenden Einwohnern fielen Strom und Trinkwasser aus.

Tbilissi liegt in einem Flusstal und die Wohnviertel ziehen sich steil die umliegenden Hügel hinauf. In mehr als 100 Häusern lief das Erdgeschoss voll Wasser. Auch mehrere Gas- und Wasserleitungen wurden zerstört. Der georgische Zivilschutz richtete einen Krisenstab ein.

Die Regierung rief für Montag Staatstrauer aus. Ministerpräsident Irakli Garibaschwili sprach von "großen Schäden" durch die Überschwemmungen. Er forderte die Einwohner von Tbilissi auf, zu Hause zu bleiben, bis die Wildtiere eingefangen seien. Bürgermeister David Narmania appellierte hingegen an die Bürger, bei den Aufräumarbeiten zu helfen.

Patriarch gibt Kommunisten die Schuld

Der georgisch-orthodoxe Patriarch Ilia II. machte in seiner Sonntagspredigt die "Sünden" der Kommunisten für die Katastrophe verantwortlich. Während der Sowjetzeit hätten sie Kirchenglocken eingeschmolzen und mit dem Erlös aus dem Verkauf des Metalls den Bau des Zoos finanziert.

"Der Zoo wurde mit diesem Geld erbaut, auf dieser Sünde und daher kann er an diesem Ort nicht blühen", sagte das Oberhaupt der griechisch-orthodoxen Kirche. "Eine Sünde bleibt niemals ohne Strafe."