Anschlag in Tunesien: 38 Tote in Sousse, Attentäter als Tourist getarnt

Das Auswärtige Amt befürchtet, dass auch Deutsche erschossen wurden. Genaue Angaben zur Herkunft der Opfer sollen Samstagfrüh folgen. Der Tag zum Nachlesen im Live-Blog
Ein Polizist untersucht den Strand, an dem ein Attentäter mehrere Menschen erschossen hat. © EPA/STR

Im tunesischen Urlaubsort Sousse hat ein Attentäter 38 Menschen erschossen. 36 Menschen wurden nach offiziellen Angaben verletzt. Das deutsche Außenministerium befürchtet, dass auch deutsche Touristen getötet wurden. Die tunesische Regierung bestätigte bereits, dass unter den Toten Deutsche, Briten, Belgier und Tunesier sind. Genaue Angaben zur Herkunft der Opfer sollen Samstagfrüh vorliegen, wie der Hotelbetreiber schrieb.

Der Täter hatte zunächst am Strand des Hotels das Feuer eröffnet und war dann in den Poolbereich vorgedrungen, ehe ihn Sicherheitskräfte erschossen. Das Maschinengewehr vom Typ Kalaschnikow hatte er unter einem Sonnenschirm versteckt, den er bei sich trug.

Nach Angaben des tunesischen Sicherheitsstaatssekretärs Rafik Chelly handelt es sich bei dem mutmaßlichen Täter um einen Studenten, der der Polizei bislang nicht bekannt war. Er stamme aus der Region von Kairouan, unweit des Hotels. Chelly sagte dem Radiosender Mosaïque FM, der Attentäter habe ausgesehen, als ginge er baden.

Ein deutscher Augenzeuge berichtete, dass der Attentäter gezielt einzelne Schüsse abgegeben habe. Dabei habe er ruhig gewirkt, sei weder gerannt noch habe er geschrien.

Zunächst war von einem zweiten, flüchtigen Angreifer die Rede. Diese Angabe wurde später korrigiert.

Die Anlage des Hotels Riu Imperial Marhaba in Port El-Kantaoui bei Sousse ist besonders bei europäischen Touristen beliebt. Der deutsche Reisekonzern TUI ist an dem Hotelkomplex beteiligt. Sousse liegt 140 Kilometer südlich von Tunis.

Das Auswärtige Amt hat einen Krisenstab und unter der Telefonnummer 030/5000 3000 eine Hotline eingerichtet.

Lesen Sie die Entwicklungen des Tages im Live-Blog nach:

  • (23:16) Laut dem Guardian wurden 38 Menschen erschossen. Dies habe der tunesische Gesundheitsminister einem Korrespondenten gegenüber bestätigt.

  • (21:45) Ein 50-jähriger Augenzeuge aus Bayern beschreibt den Tathergang: "Der Mann hielt die Waffe am Bein und gab immer wieder ganz gezielt einzelne Schüsse ab." Der Täter sei nicht gerannt und habe nicht geschrien. Stattdessen sei er ruhig den Flüchtenden gefolgt. Einen Briten mit Bauchschuss habe er mit anderen Touristen erstversorgt.

  • (21:25) Der Hotelbetreiber hat auf seiner Website mitgeteilt, dass Samstagfrüh die genauen Angaben zur Zahl der Opfer und deren Nationalität vorliegen würden. Den Angaben zufolge wurden neun Hotelgäste und vier Angestellte ins Krankenhaus gebracht. Keiner von ihnen befände sich in Lebensgefahr.

  • (21:16) Der britische Außenminister Philip Hammond hat bestätigt, dass mindestens fünf Briten von dem Attentäter erschossen wurden. Diese Zahl basiere auf Berichten der betroffenen Familien vor Ort, sagte Hammond. Es sei aber damit zu rechnen, dass noch weitere Briten unter den Opfern sind.

  • (21:05) Der Reisekonzern Tui annuliert viele Flüge nach Tunesien. Die britische Tui-Airline und die belgische Fluglinie Jetairfly, die auch zu Tui gehört, haben die Flüge in das Land vorerst eingestellt, sagte ein Sprecher. Ein Jet von Brüssel nach Tunesien habe während des Fluges kehrtgemacht. Flüge von Deutschland seien kaum betroffen, da es nur wenige Verbindungen von Tui selbst gebe. Am Samstag sollen sechs leere Flugzeuge von Belgien nach Tunesien starten, um von dort Touristen zurückzuholen. Die Hotelkette, zu der auch das in Sousse gehört, wird von Tui zusammen mit einer spanischen Familie betrieben.

  • (20:40) Videoaufnahmen vom Tatort in Sousse:

  • (20:27) Nun befürchtet auch das Auswärtige Amt, dass Deutsche bei dem Attentat getötet wurden. "Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass deutsche Staatsangehörige Opfer des Anschlags geworden sind", sagte ein Ministeriumssprecher. "Wir müssen damit rechnen, dass es noch einige Zeit dauern wird, bis das geklärt ist."

  • (20:00) Die Behörden in Dublin haben bestätigt, dass auch eine Irin getötet wurde. Nach Angaben des Marhaba-Hotels befanden sich 565 Gäste in der Fünf-Sterne-Anlage. Die meisten stammten demnach aus Großbritannien und "mitteleuropäischen Ländern".

  • (19:50) Ein Großteil der ausländischen Hotelgäste will so bald wie möglich aus Sousse abreisen. "Wir koordinieren das mit ihren Reisebüros", sagt Salwa al-Kadri, die als Reiseführerin in dem Hotel arbeitet. Und: "Es ist schwer für sie, an diesem Ort zu bleiben, nachdem sie all dieses Töten gesehen haben. Jeder hier steht immer noch unter Schock."

  • (19:45) Mit einer Kalaschnikow bewaffnet griff der Attentäter am Nachmittag die Hotelgäste an.

  • (19:45) Bislang gibt es nur wenige aktuelle Bilder aus Sousse. Hier zu sehen ist eine undatierte Aufnahme des Hotels Imperial Marhaba.

  • (19:40) Kobani, Frankreich, Kuwait und Tunesien: Es gibt viele Fragen zu den Anschlägen. Yassin Musharbash analysiert: "Es ist viel zu früh für Festlegungen und eine wirklich haltbare Analyse." Aber es sei möglich, ein paar Aussagen zu treffen, die bei der ersten Einschätzung hilfreich sein könnten. Seine Analyse lesen Sie hier.

  • (19:05) Das Gesundheitsministerium hat die Zahl der Toten noch einmal korrigiert: Es ist mittlerweile von 37 Toten die Rede, berichtet der tunesische Radiosender Mosaïque FM.

  • (18:50) Spaniens Regierung hat ihre Terrorwarnstufe heraufgesetzt. Innenminister Jorge Fernández Díaz sagte, die Maßnahme werde "provisorisch" ergriffen. "In Anbetracht der Nähe unseres Landes zu einigen der Schauplätzen der Angriffe" gelte nunmehr die vierte von insgesamt fünf Warnstufen. Ein weiterer Grund sei der Jahrestag der Ausrufung eines sogenannten Kalifats durch den IS. Außerdem lägen Spaniens Nachrichtendiensten entsprechende Erkenntnisse vor, die der Minister nicht näher erläutern wollte.

    Das Hotel Riu Imperial Marhaba in Sousse gehört zu Riu Hotel & Resorts –  einer internationalen Hotelkette. Tui betreibt die Kette zusammen mit einer spanischen Familie.

  • (18:35) Das Auswärtige Amt hat seine Reise- und Sicherheitshinweise zu Tunesien noch einmal aktualisiert.

    Bundesinnenminister Thomas de Maizière sagt, es gebe keine konkreten Hinweise auf eine zusätzliche Bedrohungsgefahr in Deutschland. Auch könne er zur Stunde nicht bestätigen, dass Deutsche unter den Toten sind.

  • (18:30) UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat die heutigen Terroranschläge in Tunesien, Frankreich und Kuwait mit mehr als 50 Toten scharf verurteilt. Die Verantwortlichen für diese "entsetzlichen Taten" müssten rasch zur Rechenschaft gezogen werden, sagte Ban laut Mitteilung der Vereinten Nationen in New York. Den Angehörigen der Opfer sprach er sein Beileid aus.

    Anschläge wie diese schwächten nicht die Entschlossenheit der internationalen Gemeinschaft, den Terrorismus zu bekämpfen, sondern ganz im Gegenteil, sagte Ban. "Diese abscheulichen Attacken werden den Einsatz der Vereinten Nationen im Kampf gegen Menschen, die Mord, Zerstörung und die Vernichtung der menschlichen Entwicklung und Kultur wollen, nur noch stärken."

  • (18:20) Der Reisekonzern Tui geht davon aus, dass sich unter den Toten auch eigene Kunden befinden. Zum jetzigen Zeitpunkt lägen noch keine gesicherten Erkenntnisse vor. "Wir müssen aber davon ausgehen", heißt es in einer Erklärung. Demnach leitete der Krisenstab des Reiseveranstalters alle notwendigen Maßnahmen ein. Speziell geschulte Mitarbeiter bereiteten sich auf ihren Einsatz vor, um Gäste vor Ort zu unterstützen.
    Für Kunden wurde eine kostenlose Hotline unter der Telefonnummer +49 (0)511 567 8000 eingerichtet.

  • (17:50) Die Regierung in Tunis geht mittlerweile von der Tat eines Einzelnen aus. Das Innenministerium hat außerdem weitere Angaben zu dem Mann gemacht. Nach Angaben des für Sicherheitsfragen zuständigen Staatssekretärs Rafik Chelly handelt es sich bei dem mutmaßlichen Täter um einen Studenten. Er sei in Badehose an den Strand gekommen, den Sonnenschirm habe er in der Hand gehabt. Darin sei die Waffe des Täters versteckt gewesen.

    Der Mann sei bislang nicht polizeilich bekannt gewesen und stamme aus der Region von Kairouan, der vierten heilige Stätte des Islams nach Mekka, Medina und Jerusalem.

  • (17:30) Hotelgäste und Mitarbeiter des Imperial Marhaba haben Medien berichtet, was sie am Nachmittag am Strand beobachtet haben: "Einer der Angreifer eröffnete das Feuer auf Touristen und Tunesier mit einer Kalaschnikow am Strand des Hotels", sagte ein Angestellter des Hotels. "Es war nur ein Angreifer. Es war ein junger Typ, der kurze Hosen trug, als wäre er selber ein Tourist."

    Eine aus Irland stammende Urlauberin schilderte, wie am Strand Panik ausbrach, als die Schüsse fielen: "Ich dachte wirklich, es war ein Feuerwerk und sah dann Menschen wegrennen (…) Ich dachte dann, mein Gott, das ist eine Schießerei." Die Kellner und die Sicherheitskräfte hätten dann geschrien "Lauf, lauf, lauf", sagte sie dem irischen Sender RTE.

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