Papst Franziskus grüßt bei der wöchentlichen Generalaudienz Gläubige im Vatikan. © Alberto Pizzoli/AFP/Getty Images

Papst Franziskus hat in seiner neuen Enzyklika Laudato Si die übermäßige Nutzung sozialer Medien kritisiert. "Die wirkliche Weisheit, die aus der Reflexion, dem Dialog und der großherzigen Begegnung zwischen Personen hervorgeht, erlangt man nicht mit einer bloßen Anhäufung von Daten, die sättigend und benebelnd in einer Art geistiger Umweltverschmutzung endet", schreibt der Papst in Anlehnung an das Thema Umweltschutz, das Hauptthema seines 220 Seiten starken Lehrschreibens.

Mit dem "überwältigenden Angebot dieser Produkte" entstehe "eine tiefe und wehmütige Unzufriedenheit in den zwischenmenschlichen Beziehungen oder eine schädliche Vereinsamung". Es bestehe die Tendenz, die realen Beziehungen "durch eine Art von Kommunikation zu ersetzen, die per Internet vermittelt wird" schreibt der Pontifex.

Das erlaube, die Beziehungen nach Belieben auszuwählen oder zu eliminieren, und es entstehe eine neue Art künstlicher Gefühlsregungen, heißt es in der Enzyklika. Durch Medien ließen sich zwar Gefühle übermitteln und teilen. "Trotzdem hindern sie uns manchmal auch, mit der Angst, mit dem Schaudern, mit der Freude des anderen und mit der Komplexität seiner persönlichen Erfahrungen direkt in Kontakt zu kommen."

Die Katholische Kirche zählt mit 1,2 Milliarden Mitgliedern etwa so viele Anhänger wie Facebook. Der Papst ist aber auch selbst in den kritisierten sozialen Netzwerken vertreten: auf Twitter etwa gibt es Accounts in mehreren Sprachen des Papstes und des Vatikans.

Der Papst bezeichnete in seiner Schrift auch Abtreibung als eine Form der Umweltzerstörung. So bedeutet für Franziskus Umwelt- oder Naturschutz auch der Schutz ungeborenen Lebens. Die Verteidigung der Natur sei nicht mit der Rechtfertigung von Abtreibung vereinbar. Ebenso kritisiert Franziskus staatliche Geburtenkontrolle und Experimente mit Embryonen.

Umweltschutz ist das dominante Thema des bereits als Öko- oder Umwelt-Enzyklika bezeichneten Rundschreibens von Franziskus. Als erster Papst hat er darin detaillierte Forderungen zum Umweltschutz aufgestellt. Der wohlhabende Teil der Menschheit trage durch das von ihm praktizierte rein profitorientierte Wirtschaftssystem eine ökologische Schuld, schreibt das Kirchenoberhaupt. "Wenn jemand die Erdenbewohner von außen beobachten würde, würde er sich über ein solches Verhalten wundern, das bisweilen selbstmörderisch erscheint."

Ausdrücklich bekennt sich der Jesuit Franziskus zur vorherrschenden Meinung der Wissenschaft, dass "vor allem" der Mensch für die "besorgniserregende Erwärmung des Klimasystems" verantwortlich sei. Diese Position birgt Konfliktpotenzial, da konservative Kräfte innerhalb der Kirche den Klimawandel leugnen oder für gottgewollt halten.