Wegen der zunehmenden Gewalt in Baltimore nach dem Tod des Schwarzen Freddie Gray ist der Polizeichef der US-Stadt fristlos entlassen worden. Der bisherige Polizeichef Anthony Batts werde übergangsweise durch seinen bisherigen Stellvertreter ersetzt, sagte Baltimores Bürgermeisterin Stephanie Rawlings-Blake. "Das ist keine einfache Entscheidung", sagte die Bürgermeisterin. Die vergangenen Wochen hätten aber gezeigt, dass "zu viele auf unseren Straßen sterben".

Die Entlassung von Batts kommt zweieinhalb Monate nach Unruhen, die durch den Tod Grays ausgelöst worden waren. Der 25-jährige Schwarze hatte bei seiner Festnahme am 12. April so schwere Rückenmarksverletzungen erlitten, dass er ins Koma fiel und eine Woche später starb. Die Beamten sollen den an Händen und Füßen gefesselten Afroamerikaner im Polizeitransporter bäuchlings mit dem Kopf nach vorne auf den Boden des Fahrzeugs gelegt und nicht angeschnallt haben. Ende Mai wurden sechs Polizeibeamte offiziell angeklagt, drei von ihnen wegen fahrlässiger Tötung und einer wegen Totschlags. Ihnen drohen Haftstrafen zwischen zehn und 30 Jahren.

Nach den Unruhen fiel die Zahl der Festnahmen in Baltimore, die Mordrate stieg. Seit Jahresbeginn wurden in der Ostküstenstadt 155 Morde verübt und 303 Schießereien gezählt. Zuletzt wurden am Dienstag auf einem Hochschul-Campus drei Menschen erschossen. Im gesamten vergangenen Jahr hatte es in Baltimore 105 Morde und 163 Schießereien gegeben. Batts war im September 2012 nach Baltimore geholt worden, um die städtische Polizei zu modernisieren. Er wurde für seinen Umgang mit den Krawallen nach dem Tod von Gray viel kritisiert.

Grays Tod wurde von vielen als neuer Fall von tödlicher Polizeigewalt gegen unbewaffnete Schwarze in den USA verurteilt. Der Fall löste gewalttätige Proteste in Baltimore aus. Autos und Gebäude gingen in Flammen auf, Geschäfte wurden geplündert. Hunderte Menschen wurden festgenommen. Zwischenzeitlich galt in Baltimore eine nächtliche Ausgangssperre und die Nationalgarde wurde in die Stadt geschickt.