Es sieht aus wie eine Urlaubsreise. Die drei Männer in dem kleinen Cabrio fahren von Italien über den Brenner, durch Österreich, weiter nach Deutschland. Doch anders als Urlauber fahren sie an Raststätten und Parkplätzen vorbei, weiter nach Norden, nur nicht halten, solange die Grenze noch nah ist.

Auf dem Rücksitz, hinter getönten Scheiben, sitzt Oumar Sissoko*. Der Student ist vor dem Krieg aus Mali geflohen. Die beiden Männer, die vorn im Auto sitzen, kennt er über eine gemeinsame Freundin. Ihr fahrt doch von Italien nach Deutschland, hatte sie zu ihnen gesagt. Ob sie nicht Oumar mitnehmen könnten? So erzählt es einer der beiden später. Der Malier war 2013 in Sizilien angekommen, mehrere Tage war er mit einem Schlauchboot von Libyen aus unterwegs gewesen. In Italien erzählten ihm andere Flüchtlinge bald, dass dort seine Chancen auf Asyl oder einen dauerhaften Aufenthaltsstatus schlecht seien. In Süddeutschland dagegen hat er Freunde, sie können ihm weiterhelfen, hofft er.

Alle Beteiligten wollen anonym bleiben, denn was sie tun, ist nicht legal. Sissoko müsste seinen Asylantrag eigentlich in Italien stellen, dem ersten EU-Land, das er betreten hat. Die Männer mit dem Cabrio dürfen ihm bei seiner unerlaubten Einreise nach Deutschland nicht helfen. Sie tun es trotzdem, nicht aus finanzieller Motivation, sondern weil sie die europäische Flüchtlingspolitik ablehnen.

Wenn es nach den Aktivisten des Berliner Peng Collectives geht, wird es bald mehr solcher Reisen geben, mit Cabrios, Familienwagen oder Limousinen. "Ich bin Fluchthelfer" heißt ihre Kampagne, "denn Fluchthilfe kann Leben retten".

Im Pkw über die Grenze

Ihre Idee: Die meisten Flüchtlinge kommen in Italien an, wollen aber oft in ein anderes Land innerhalb der Schengen-Zone – weil sie die dortige Sprache sprechen, dort Freunde oder Familie haben, oder bessere Aussichten auf Asyl. Weil Züge und Busse aus Italien nach Norden aber mittlerweile so stark von der Polizei kontrolliert werden, schaffen sie es oft nicht. Die Fluchthelfer-Aktion soll dafür sorgen, dass sie in privaten Autos mitgenommen werden und so unentdeckt bleiben.

Rechtlich ist das problematisch. Denn das "Einschleusen von Ausländern" ist nach §96 Aufenthaltsgesetz strafbar. Allerdings gilt das nur, wenn der Schleuser dafür Geld nimmt, es wiederholt tut, oder gleich mehrere Personen über die Grenze bringt. Doch auch, wer nur ein Mal einen Flüchtling im Auto von Italien nach Deutschland fährt, kann sich der Beihilfe zur unerlaubten Einreise (§95) strafbar machen.

Den Aktivisten sei das bewusst, sagen sie, sie haben sich vor Beginn der Kampagne von einem Juristen beraten lassen. Nach dessen Einschätzung riskierten Fluchthelfer höchstens eine Geldstrafe. Dieses Risiko nehmen sie in Kauf. "Bewegungsfreiheit ist ein Grundrecht", sagt ein Aktivist des Peng Collectives, der Maximilian Thalbach genannt werden möchte, aber eigentlich anders heißt. "Dass ich in Deutschland geboren bin, ist Zufall. Warum darf ich mich überall hin bewegen, Flüchtlinge aber nicht?"