Die Zahl der Übergriffe auf Asyl- und Flüchtlingsunterkünfte ist im ersten Halbjahr 2015 stark gestiegen. Sie liegt jetzt schon höher als im gesamten Jahr 2014. Waren es 2014 insgesamt 198 Angriffe und damit bereits eine Verdreifachung im Vergleich zu 2013, so zählte das Bundesinnenministerium in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 202 Übergriffe.

Darunter seien 22 Gewalttaten und 173 rechtsextremistisch motivierte Übergriffe, teilte das Ministerium mit. 26 Delikte konnten bislang keinem politischen oder sonstigen Motiv zugeordnet werden.

Zu Übergriffen werden Brandanschläge ebenso gerechnet wie Proteste vor Asylbewerberheimen. Die Statistik berücksichtigt alle Meldungen der Bundesländer bis zum 6. Juli. Auch in der zweiten Jahreshälfte dürfte die Zahl weiter steigen. Schon im Juli ereigneten sich bereits mehrere Übergriffe in Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt.

Der Vorsitzende der Innenminister-Konferenz, der rheinland-pfälzische Ressortchef Roger Lewentz (SPD), sicherte ein konsequentes und hartes Vorgehen der Sicherheitsorgane gegen Fremdenfeindlichkeit zu. "Deutschland ist und bleibt ein weltoffenes, tolerantes und hilfsbereites Land", sagte Lewentz in Mainz. Es gelte, den Menschen, die vor Krieg und unsäglichem Leid aus ihren Heimatländern fliehen würden, offen und hilfsbereit zu begegnen. Angesichts der steigenden Zahlen dürfte Deutschland "den geistigen Brandstiftern und rechtsextremen Ideologen keinerlei Raum geben".

Seit Anfang 2014 gibt es beim Bundeskriminalamt eine Clearingstelle als zentralen Ansprechpartner für die Erfassung und Bewertung aller Proteste und Übergriffe auf Asylbewerberunterkünfte. Diese Clearingstelle erstelle darüber hinaus Lagebilder für die Bundes- und Landesbehörden und koordiniere bei Gefährdungslagen, heißt es im Bundesinnenministerium.

Der Bund rechnet in diesem Jahr mit 450.000 Asylanträgen in Deutschland. Das sind mehr als doppelt so viele wie im vergangenen Jahr.