Bundespräsident Joachim Gauck hat die "aufrichtige und offene" Debatte in Irland zur Gleichstellung der Homo-Ehe gelobt und diese als beispielhaft für Deutschland bezeichnet. Die Öffnung der Ehe in Irland für alle Paare sei nicht "eine Entscheidung gegen, sondern für etwas", sagte das deutsche Staatsoberhaupt der Irish Times. Der Bundespräsident sprach sich für eine "stärkere Debatte auch in Deutschland" aus. 

In dieser Debatte müsse es darum gehen, klarzumachen, dass die Gleichstellung von Schwulen und Lesben heterosexuellen Paaren nichts wegnehme, sagte Gauck. "Wenn homosexuelle Menschen das gleiche Recht erhalten, in einer rechtlich verbindlichen Partnerschaft zu leben, gibt es ihnen die Chance, ein gleichwertiges Leben in Liebe und Partnerschaft zu führen", sagte der Bundespräsident.

Gauck reist am Montag mit seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt zu einem dreitägigen Staatsbesuch nach Irland.

Am 22. Mai hatte Irland in einer Volksabstimmung die Ehe für alle Paare geöffnet, unabhängig von ihrem Geschlecht. Einen Monat später legalisierte auch das US-Verfassungsgericht die gleichgeschlechtliche Ehe. Die Verfassung garantiere dieses Recht landesweit, urteilte der oberste Gerichtshof.

Merkel sieht keine Mehrheit für eine Homo-Ehe in der CDU

Bisher lehnt Bundeskanzlerin Merkel eine offene Debatte über eine Gleichstellung der Homo-Ehe ab. Sie sieht dafür derzeit keine Mehrheit in der Unionsfraktion. Als Regierungssprecher Steffen Seibert kürzlich gefragt wurde, was die Entscheidungen in Irland und den USA für die Situation in Deutschland bedeute, antwortete er: "Nichts." Allerdings unterstützen nach einer aktuellen YouGov-Umfrage knapp zwei Drittel aller Befragten (65 Prozent) – und 57 Prozent aller CDU-Wähler – die Ehe auch für homosexuelle Paare.

Bislang dürfen diese in Deutschland eine sogenannte eingetragene Partnerschaft eingehen, aber nicht heiraten. Die eingetragene Partnerschaft eröffnet unter anderem nicht dieselben Rechte bei Adoptionen wie die Ehe. Am Freitag hatte der Bundesrat mehrheitlich für eine Stellungnahme votiert, in der es heißt: "Der Bundesrat hält die Öffnung der zivilrechtlichen Ehe für Paare unabhängig von ihrer sexuellen und geschlechtlichen Identität für geboten, um alle bestehenden rechtlichen Diskriminierungen abschließend zu beenden."

Gauck besorgt über Zunahme von anti-europäischen Strömungen

In dem Interview mit der Irish Times äußerte sich Gauck besorgt über den Aufstieg des "grassierenden antieuropäischen Populismus" in vielen EU-Mitgliedstaaten. "Wir können nicht zulassen, dass die Sphäre der öffentlichen Diskussion von  radikalen anti-europäischen Kräften von Links oder Rechts übernommen wird", sagte er. Zu der bereits seit sieben Jahren andauernden Finanzkrise forderte Gauck "mehr Verständnis für die unterschiedlichen Perspektiven unserer europäischen Partner". Nur so könne "ein respektvoller, objektiver und produktiver Austausch" auch bei unterschiedlichen Ansichten geführt werden.

Vorgesehen sind Treffen bei Präsident Michael D. Higgins, Premierminister Enda Kenny und beiden Kammern des Parlaments. Außerdem erhält Gauck die Ehrendoktorwürde von der Universität von Galway.