Das angeschwemmte Wrackteil am Strand der Insel La Réunion stammt wahrscheinlich von der vermissten Maschine des Fluges MH370. Das berichten mehrere Nachrichtenagenturen sowie die New York Times. Auch der stellvertretende malaysische Verkehrsminister Aziz Kaprawi sagte, das Flügelteil stamme "nahezu sicher" von einer Boeing 777. Eine offizielle Bestätigung gibt es dafür noch nicht.

Das etwa zwei Meter lange Tragflächenstück war an der Küste bei Saint-André im Osten der französischen Insel im Indischen Ozean gefunden worden. Ein malaysisches Expertenteam ist nun auf dem Weg nach La Réunion. Die eindeutige Identifizierung werde jedoch mindestens zwei Tage in Anspruch nehmen, sagte Kaprawi. Auch die Fluggesellschaft Malaysia Airlines prüft, ob es sich um ein Teil der verschwundenen Fluges MH370 handeln könnte. "Im Moment wäre es für die Airline zu früh, über die Herkunft des Objekts zu spekulieren", teilte die Fluggesellschaft mit.

In Australien, das die Suche nach dem Flugzeug seit mehr als einem Jahr leitet, werden die anstehenden Untersuchungen mit "sehr großem Interesse" verfolgt, sagte Verkehrsminister Warren Truss dem Radiosender ABC. Der Fund des Tragflächenstückes sei eine erste eindeutige Spur. "Sollte sich herausstellen, dass das Wrackteil von MH370 stammt, würde das die Analysen und Modellrechnungen bestätigen, dass das Wrack im südlichen Indischen Ozean abgestürzt ist", teilte das Ministerium für Infrastruktur in Canberra mit. "Wir müssen uns jetzt wirklich die Größe und Form anschauen, und ob irgendwelche Markierungen darauf sind, etwa Nummern von Bauteilen oder Seriennummern", sagte ein Ministeriumssprecher im Rundfunk. 

Augenzeugen berichteten, das angeschwemmte Teil sei "voller Muschelschalen" gewesen. Dies deutet darauf hin, dass es längere Zeit im Wasser war. Australische Ermittler werten derzeit das Bildmaterial aus, um dieser Frage nachzugehen.

Nach Berichten französischer Medien ist das Wrackteil mit der Referenznummer BB670 markiert. Diese Nummer bezeichnet zwar weder eine Flug- noch eine Modellnummer. Dennoch könnte sie helfen, das Teil zumindest einem Flugzeugtyp zuzuordnen. Die für Lufttransporte zuständige Gendarmerie auf der zu Frankreich gehörenden Insel La Réunion eröffnete den Berichten zufolge ein Untersuchungsverfahren. Derzeit werde in alle Richtungen ermittelt.

Kein Hinweis auf genauen Absturzort

Flug MH370 war im März 2014 mit 239 Menschen an Bord auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking spurlos verschwunden. Die Piloten hatten sich 40 Minuten nach dem Start zum letzten Mal beim Tower gemeldet, es gab keine Hinweise auf Probleme. Weniger als eine Stunde nach dem Start verschwand die Maschine vom Radar. Das Flugzeug wurde seither ohne Erfolg gesucht.

Satellitenauswertungen hatten ergeben, dass das Flugzeug noch rund sieben Stunden weitergeflogen war und vermutlich im Indischen Ozean knapp 2.000 Kilometer westlich von Perth an der australischen Westküste abstürzte, nachdem der Treibstoff ausgegangen war.

Selbst wenn das nun gefundene Teil von der vermissten Boeing 777 stammen sollte, gäbe das noch immer keinen Aufschluss über den möglichen Absturzort der Maschine. La Réunion liegt etwa 600 Kilometer östlich von Madagaskar, Tausende Kilometer von der vermuteten Absturzstelle entfernt. Wissenschaftler halten es für plausibel, dass das Flügelstück von der Strömung durchs Meer getrieben worden sein. 

Neben möglichen Verbindungen zu MH370 sollen auch eventuelle Spuren zu zwei weiteren Flugzeugabstürzen untersucht werden. 2009 war über den Komoren ein Airbus A310 der Fluggesellschaft Yemenia abgestürzt, im Mai 2006 vor La Réunion ein Kleinflugzeug des Typs Piper Aztec. Beide Maschinen wurden nicht geborgen.