Zhou Shifeng, Anwalt der chinesischen ZEIT-Mitarbeiterin Zhang Miao, soll sich nach seiner Festnahme schuldig bekannt haben, in seiner Pekinger Kanzlei Fengrui illegale Tätigkeiten ausgeübt zu haben. Das berichtet die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua. "Meine Fehler waren schwerwiegend", soll Zhou gesagt und um eine zweite Chance gebeten haben.

Der Bürgerrechtsanwalt wird seit vergangener Woche festgehalten. Er hatte Miao nach ihrer Festnahme durch chinesische Behörden vertreten. Einen Anwalt durfte er nicht treffen, berichtet die Menschenrechtsgruppe Right Defense Network. Vergangene Woche hatten Sicherheitskräfte binnen 48 Stunden mehr als 57 Menschenrechtsanwälte festgenommen, heißt es in dem Blog der Organisation, die in engem Kontakt mit mehreren der verschleppten Aktivisten ist.

"Ihr Ziel war es, Ruhm zu erlangen, Profit zu machen und soziale Unruhe zu stiften", berichtete Renmnin Ribao. Die Volkszeitung ist die offizielle Publikation der Kommunistischen Partei. "Diese kompromisslosen Anwälte haben im Gerichtssaal und im Internet ihren Widerstand inszeniert."

Neben Zhang Miao vertrat Zhou Familien, deren Kinder durch verunreinigtes Milchpulver erkrankt waren. In diesem Jahr betreute er den Schriftsteller Huang Zerong. Der war inhaftiert worden, da er illegale Geschäfte gemacht haben solle. Huang, der unter dem Namen Tie Liu veröffentlicht, hatte ein Magazin herausgegeben, in dem die Kommunistische Partei kritisiert worden war.

Zhang Miao hatte die ZEIT-Korrespondentin Angela Köckritz dabei unterstützt, über die Occupy-Central-Proteste zu berichten. Anfang Oktober war sie verschwunden. Nachdem diplomatische Bemühungen um ihre Freilassungen ohne Ergebnis blieben, machte die ZEIT ihr Schicksal Anfang Januar publik. Vergangene Woche ließen die Behörden Zhang frei. In der selben Nacht verhafteten sie ihren Anwalt Zhou.

Gemeinsam mit Zhou wurden neun weitere Anwälte seiner Kanzlei festgenommen. Ihnen wird vorgeworfen, Mitglied einer kriminellen Vereinigung zu sein. Für diese hätten sie die Kanzlei als Plattform gebraucht. Das Syndikat bestehe aus Bürgerrechtsanwälten, ihren Mitarbeitern und Petitionären, die "sensible Fälle zu politischen machten, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit erregten". Ihnen sei es nicht darum gegangen, für Rechte und Gerechtigkeit zu streiten. Stattdessen hätten sie "die soziale Ordnung auf schwerwiegende Weise gestört", heißt es in dem Remnin-Ribao-Artikel.

"Ein neuer Tiefpunkt"

"Die Behauptung, dass diese Anwälte und Aktivisten Teil einer großen kriminellen Vereinigung seien, ist ein neuer Tiefpunkt", schrieb die Direktorin von Human Rights Watch China, Sophia Richardson, in einer Mail an die New York Times. "Angesichts der vielen Verfahrensfehler der Polizei in den vergangenen Tagen ist diese Anschuldigung umso ironischer. Wenn ein Verhalten untersucht werden solle, dann das des Ministeriums für öffentliche Sicherheit und nicht das der Anwälte."

Auch die Menschenrechtsanwältin Wang Yu war festgenommen worden. Sie hatte in diesem Jahr die Aktivistin Li Tingting verteidigt. Die war verhaftet worden, weil sie eine Aktion gegen sexuelle Belästigung geplant hatte. Wangs Ehemann, Bao Longjun, und ihr 16-jähriger Sohn, Bao Mengmeng, wurden ebenfalls festgenommen. Nach zwei Tagen Haft war Bao Mengmeng freigelassen worden. Die Behörden hatten ihm daraufhin aber verboten, das Land zu verlassen