Im oberbayerischen Reichertshofen haben Unbekannte in einem als Asylbewerberunterkunft geplanten Gebäude Feuer gelegt. Der Gastraum des ehemaligen Gasthofs im Ortsteil Winden brannte vollständig aus. Das angrenzende Wohnhaus, in dem ab September Flüchtlinge untergebracht werden sollten, wurde weniger stark beschädigt. Der Sachschaden betrage mindestens 150.000 Euro. Das angrenzende Wohnhaus, in dem ab September Flüchtlinge wohnen sollten, nahm nur geringen Schaden.

Die Ermittler hätten festgestellt, dass der Brand am Haupteingang des Gasthofes und auch am Nebengebäude gelegt wurde, hieß es. "Ein fremdenfeindlicher Hintergrund ist nicht auszuschließen", sagte ein Polizeisprecher. Die Polizei richtete eine Sonderkommission ein und setzte eine Pressekonferenz an. 

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) ist davon überzeugt, dass Täter am Werk waren. "Wenn es zwei Brandherde gibt, ist das ein deutlicher Hinweis auf Brandstiftung", sagte er.

Um die Nutzung der Immobilie hatte es laut Bayerischem Rundfunk in den vergangenen Monaten Streit gegeben. Für die ursprünglich angestrebte Bewohnerzahl von 131 befand der Landkreis das Gebäude für zu klein und verlangte, die Zuweisung der Asylsuchenden deutlich zu verringern. Eine Bürgerinitiative forderte, in den Ort mit seinen etwa 800 Einwohnern sollten nicht mehr als 30 bis 40 Asylbewerber ziehen.   

Die Onlinepetition "Keine 125 Asylbewerber in 85084 Winden am Aign" hatte im Frühjahr mit 965 Unterstützern im Landkreis nicht die angestrebte Zahl von 1.500 erreicht.  

Anwohner des Gasthofs äußerten sich entsetzt und verurteilten den Anschlag, wie der BR berichtete. Der Helferkreis der künftigen Asylbewerberunterkunft engagiere sich auch nach dem Brandanschlag weiter, hieß es. Insgesamt 28 Bürger, darunter ganze Familien, wollten sich am Abend erstmals treffen, um die Unterstützung für die erwarteten Flüchtlinge zu organisieren. Der Bürgermeister von Reichertshofen, Michael Franken, vermutet demnach, dass wegen des Anschlags sogar mehr Menschen kommen würden.  

In Bayern hatte zuletzt im fränkischen Vorra eine leer stehende Asylbewerberunterkunft gebrannt. Hakenkreuzschmierereien deuteten damals klar auf einen rechtsextremistischen Hintergrund der Täter hin. 

In den vergangenen Wochen hatten ähnliche Vorfälle im sächsischen Freital, Meißen, Tröglitz und Böhlen Diskussionen um die Sicherheit von Asylbewerbern in Deutschland ausgelöst.