Der Komapatient Vincent Lambert wird vorerst weiter künstlich ernährt. Die behandelnden Ärzte im Universitätskrankenhaus der ostfranzösischen Stadt Reims wollen nicht endgültig entscheiden, ob die lebensverlängernde Maßnahme abgebrochen wird. Stattdessen soll ein rechtlicher Vertreter festgelegt und das Gesundheitsministerium in den Fall eingeschaltet werden, berichtet unter anderem die Tageszeitung Le Figaro

Lambert hatte sich bei einem Motorradunfall am 29. September 2008 schwere Kopfverletzungen zugezogen und war ins Koma gefallen. Zwar bewegt er manchmal die Augen, doch kann nicht mit Sicherheit geklärt werden, ob er versteht, was um ihn herum passiert. Lambert hatte keine Patientenverfügung. Nach Angaben seiner Frau soll er vor seinem Unfall lebensverlängernde Maßnahmen abgelehnt haben.      

Der Fall wird in Frankreich kontrovers diskutiert, auch weil die Familie in der Frage zerstritten ist, ob die künstliche Ernährung des 38-Jährigen aufrechterhalten werden soll. Lamberts Ehefrau hatte 2008 gemeinsam mit den damals zuständigen Ärzten entschieden, die lebensverlängernde Maßnahme einzustellen. Auch sechs Geschwister wollten Lambert sterben lassen. Doch die streng katholischen Eltern und zwei andere Geschwister waren dagegen. Sie argumentierten, dass Lambert schwerstbehindert sei, die Ernährung über eine Magensonde deshalb aber nicht eingestellt werden dürfe.

Entscheidung ist eine Überraschung

Nachdem das oberste Verwaltungsgericht Frankreichs im Juni 2014 im Sinne der Ehefrau und der Ärzte entschieden hatte, hatten die Eltern vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte wegen eines Verstoßes gegen das Recht auf Leben und das Verbot der Folter und unmenschlicher Behandlung geklagt. Doch auch die Richter in Straßburg lehnten die Beschwerde ab. Damit lag die endgültige Entscheidung abschließend wieder bei den Ärzten. Mit Blick auf die Vorgeschichte ist die nun gefällte Entscheidung eine Überraschung.

Lebensverlängernde Maßnahmen können in Frankreich nach Absprache zwischen Ärzten und Angehörigen abgebrochen werden. Dies ist auch in Deutschland möglich. Aktive Sterbehilfe ist dagegen in Deutschland und Frankreich wie in den meisten europäischen Ländern verboten.