Das Minarett einer Moschee im baden-württembergischen Esslingen ©  Daniel Maurer/ dpa

Moscheen und andere islamische Einrichtungen in Deutschland wurden zwischen Januar und Juni 23-mal Ziel politisch motivierter Angriffe. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage der Linken-Fraktion im Bundestag hervor, aus der die Welt zitiert. Im selben Zeitraum hätten 64 Kundgebungen gegen eine angebliche Islamisierung Deutschlands stattgefunden, die von Rechtsextremisten beeinflusst oder gesteuert wurden; das geht aus Antworten auf verschiedene parlamentarische Anfragen hervor.

Wie oft Muslime in Deutschland wegen ihres Glaubens angegriffen werden, ist allerdings nicht bekannt. Hierzu gibt es keine offiziellen Zahlen. Straftaten mit islamfeindlichem Hintergrund werden in der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) bisher nicht gesondert erfasst. Bisher gibt es nur Zahlen zu Angriffen auf Moscheen und andere islamische Einrichtungen sowie zu islamfeindlichen Aufmärschen, die von Rechtsextremisten beeinflusst werden.

Der Koordinationsrat der Muslime, die Polizeigewerkschaft (GdP) und die innenpolitische Sprecherin der Linken, Ulla Jelpke, forderten, bei der Registrierung politisch motivierter Kriminalität den Unterpunkt Islamfeindlichkeit aufzunehmen. "Dadurch wäre es möglich, ein Lagebild zu erstellen und zu sehen, ob antimuslimische Straftaten zunehmen", sagte der Vizevorsitzende der GdP, Jörg Radek, der Onlineausgabe der Welt. "Wenn man antisemitische Straftaten erfasst, sollten auch antimuslimische Straftaten gezählt werden."

Die Linken-Innenexpertin Jelpke sagte der Zeitung, das Ausmaß islamfeindlicher Straftaten bleibe im Dunkeln, "solange es hier keine separate Erfassung" gebe. Die Sprecherin des Koordinationsrats der Muslime, Nurhan Soykan, unterstützte die Forderung ebenfalls. Angriffe auf Moscheen und Muslime hätten in den vergangenen Jahren zugenommen, das Ausmaß werde aber kleingeredet, sagte Soykan der Welt

Das Bundesinnenministerium befürworte eine Änderung, heißt es von dort laut Welt. Jedoch könne nur die Innenministerkonferenz eine solche beschließen. Sie berate zum Thema noch.