Ein Mitarbeiter des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge mit einem Asylbewerber aus Serbien (m.) und einer Dolmetscherin © Fredrik von Erichsen/dpa

50 Zollbeamte werden das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) dabei unterstützen, Asylanträge zu bearbeiten. Das habe Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) entschieden, teilte sein Ministerium mit. Die Zöllner des gehobenen Dienstes würden zunächst für sechs Monate eingesetzt und seien "in Fragen des Ausländerrechts qualifiziert".

Die Beamten sollen vor allem "in einfachen bzw. klar gelagerten Fällen" entscheiden. Die Zollverwaltung leiste damit einen "bedeutenden Beitrag zur Verbesserung der angespannten Personalsituation" des Bamf, sagte Schäubles Staatsekretär Werner Gatzer.

Das Bamf ist dafür zuständig, Asylanträge zu bearbeiten. Dies geschieht derzeit verzögert. Das Bundesamt hatte Ende Juni Anträge von 237.877 Personen vorliegen, über die nicht entschieden worden war. Die Hälfte der Anträge war da älter als sechs Monate. Anfang August hatte Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) noch die Zahl von 250.000 unbearbeiteten Anträgen genannt. Mehrere Ministerpräsidenten forderten die Bundesregierung daraufhin auf, tätig zu werden. Thüringens Regierungschefs Bodo Ramelow (Linke) sagte: "Der Bund hat zugesagt, die Asylverfahren zu beschleunigen. Passiert ist bisher leider zu wenig."

Kurz erklärt - Wie das Asylverfahren in Deutschland ist

Innenminister Thomas de Maizière (CDU) hatte im Mai angekündigt, dem Bamf 2.000 neue Stellen zu bewilligen. Davon sollten 750 Stellen noch in diesem Jahr besetzt werden. Das Bundesamt habe aber "Probleme, geeignete Mitarbeiter zu finden", sagte SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann am Wochenende. Deshalb seien kreative Zwischenlösungen nötig.

Eine mögliche Lösung lieferte Oppermann selbst. Er forderte de Maizière auf, Beamte im Ruhestand zu reaktivieren: "Diese Menschen sind von heute auf morgen einsatzfähig und könnten für ein paar Monate helfen, die Asylverfahren zu beschleunigen." Die rot-grüne Landesregierung Baden-Württembergs forderte die Bundesregierung in einem Brief auf, zu prüfen, ob Beamte der Bundesagentur für Arbeit das Bamf unterstützen könnten.

Ähnliche Maßnahmen zur Unterstützung der Verwaltung gibt es bereits auf Landesebene, etwa in Berlin. Dort war vergangene Woche ein Koordinierungsstab zur Flüchtlingspolitik gebildet worden, der Mitarbeiter aus anderen Verwaltungen anfordern kann.